„Wenn jeder seine Berufung lebt, gelingt das Leben“

Beim Tag der Berufung des Dekanates Höxter wurde in einer Dialoggruppe zum Thema „Zum Himmel wachsen“ gemeinsam ein Apfelbaum auf einer Obstwiese der Abtei Marienmünster gepflanzt. Paderborn/Abtei Marienmünster, 10. September 2012. „Gottes Reich ist unter uns, wir alle sind es, die Gottes Reich zum Blühen bringen, weil Gott es so will.“ So beschrieb Dechant Gerhard Pieper ein Ergebnis des vom Dekanat Höxter am Freitag und Samstag auf dem Gelände der Abtei Marienmünster durchgeführten „Tages der Berufung“. Das Motto „BerufungLeben“ führte am Samstag rund 200 Teilnehmer zusammen, die sich in Sinneswerkstätten, Dialogforen, Kabarett, Gebeten und Gottesdiensten mit der eigenen Berufung und dem Weiterleben des Glaubens und der Zukunft der Kirche beschäftigten. Bereits am Freitagabend kamen rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer Klosterführung und einem Konzert der Gruppe „Gegenwind“ in die Abtei.

Das aus Dechant Gerhard Pieper, Dekanatsreferent Bernhard Leifeld, den beiden Referentinnen für Jugend und Familie des Dekanates Höxter, Elke Krämer und Sandra Kluge, der Dekanatspastoralratsvorsitzenden Verena Potthast, Gemeindereferentin Anne Frank und Schwester Gabriele Lüdenbach FCJM bestehende Leitungsteam hatte ein vielfältiges Programm für den „Tag der Berufung“ zusammengestellt. „Seit neun Monaten haben wir geplant und vorbereitet und jetzt ist es wie eine Geburt: Hier wächst Neues“, sagte Dekanatsreferent Bernhard Leifeld im Blick auf die zahlreichen Menschen, die sich am Samstag im weitläufigen Areal der Abtei Marienmünster eingefunden hatten und an den verschiedenen Werkstätten und Dialogforen teilnahmen.

Ein Leitungsteam hatte den Tag der Berufung mit dem Motto „BerufungLeben“ vorbereitet. V.l.n.r.: Dechant Gerhard Pieper, Verena Potthast, Anne Frank, Elke Krämer, Sandra Kluge, Bernhard Leifeld, Schwester Gabriele Lüdenbach FCJM. Die Erfahrung, dass Jesus Christus mit jedem einzelnen Menschen mitgehe, er jeden beschütze und für seinen persönlichen Weg stärke, tue gut, sagte Gemeindereferentin Anne Frank in dem von ihr vorbereiteten Morgenlob, das für alle Teilnehmer als spiritueller Einstieg in den Tag im Chorgestühl der Abteikirche gefeiert wurde. Sie lud dazu ein, sich neu aufzumachen, um den persönlichen Glauben neu und vertieft zu entdecken und zu stärken.

Es sei ein Anliegen des Leitungsteams gewesen, am „Tag der Berufung“ eine bunte Vielfalt an Menschen zusammen zu bringen, sagte Dechant Gerhard Pieper zur Begrüßung. Anwesend waren sowohl Haupt- und Ehrenamtlichen aus dem Gemeinden, als auch zahlreiche Interessierte, die zum Schauen und Auszuprobieren eingeladen waren – entsprechend dem vom Leitungsteam formulierten Motto und Wunsch: „Ich gehe nach Marienmünster und bin dem etwas näher gekommen, was mir für das Leben wichtig ist“. Dechant Pieper: „So ein Tag ist Stärkung und die Vielfalt der anwesenden Menschen zeigt uns unseren Reichtum.“

In insgesamt 24 Sinneswerkstätten wurde nach der eigenen Berufung im persönlichen Leben gefragt. In den am Vormittag angebotenen insgesamt 24 Sinneswerkstätten ging es für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Ältere darum, wach zu werden für das Leben, die eigene Berufung. „Wenn jeder seine Berufung lebt, gelingt das Leben“, lud Dechant Pieper die Teilnehmer zu den Sinneswerkstätten ein. Diese hatten Titel wie „Ach, du bist es ja“, „Kreuzweg gehen“, „Augenblick mal“, „Berufen füreinander“, „Getauft – und was nun?“, „Zur Stille finden – im Vielerlei zum Wesentlichen“, „An-Klang finden“, „Ein bisschen geht nicht“.

Die an unterschiedlichen Orten der Abtei durchgeführten Werkstätten boten die Möglichkeit, die eigene Wahrnehmung für den Ruf Gottes im Leben, den Ruf des Lebens in jedem einzelnen zu schärfen. „Berufung ist: Leben hören!“, fasste Schwester Gabriele Lüdenbach FCJM von der Diözesanstelle Berufungspastoral zusammen. „Die Begegnungen, Gespräche, Impulse für den Glauben, das Spirituelle, das tut mir gut“, so verschiedene Frauen und Männer, die mit strahlenden Gesichtern in der Abtei Marienmünster unterwegs waren und unterschiedliche Werkstätten ausprobierten.

Christa Wirth, Maria Buchholz und Elke Westerwelle freuen ich über ihr in einer Sinneswerkstätte gestaltetes „Stillekistchen“. Nach dem Mittagsgebet in der Abteikirche und dem Mittagessen im Schafstall gab es einen Impuls der Kabarettistin Anja Geueke als „Es Hedwich“. „Es ist schön, wenn man so viele ist. Wenn man die zahlreichen Aktivposten in einem so großen Dekanat zusammen nimmt, dann kommt so was hier zusammen“, so die Kabarettistin im Blick auf die zahlreichen Teilnehmer. „Deswegen sind wir heute hier, damit wir mal wieder hören, wohin wir wollen.“ Und zum Schluss merkte sie im Blick auf das Motto „BerufungLeben“ an: „Der liebe Gott beruft nicht die Qualifizierten, sondern er qualifiziert die Berufenen“.

Ging es in den Sinneswerkstätten des Vormittags darum, zur Ruhe zu kommen, um auf Gott hören zu können, verwandelte sich das Abtei-Gelände mittags in ein Dialog-Forum: Gemeinsam sollte überlegt und besprochen werden, wie es mit dem Glauben und der Kirche weiter geht. Dazu trafen sich 15 Gruppen an unterschiedlichen Orten der Abtei, um ausgehend von einem biblischen Impuls nach dem eigenen Ort in der Kirche zu fragen und gemeinsam zu überlegen, wie sich die Gemeinschaft der Kirche weiter entwickeln kann, unter anderem zu den Themen „Mit Auferstehung rechnen“, „Sich beschenken lassen“, „Zur Quelle werden“, „Sich getragen wissen“, „Meinen Platz finden“, „Neuland entdecken“ und „Angenommen sein“.

In der von Karin Stieneke vom Diözesankomitee geleiteten Gruppe „Zum Himmel wachsen“ wurde beispielsweise ein Baum gepflanzt als Beitrag zur NRW Schöpfungszeit. Ausgehend von dieser Aktion wurde beraten „Welches Werkzeug, welche Menschen und Begabungen brauchen wir in unseren Gemeinden, damit der Weg der Kirche in die Zukunft fortschreitet?“. „Es muss in die Tiefe gehen, wir müssen uns immer wieder neu gründen und verwurzeln, es braucht festen Boden und auch Geduld, dass wir wachsen können und ein Ziel erreichen“, so die Teilnehmer dieser Gruppe. Aber auch: „Wir müssen überprüfen, was wir haben und müssen erkennen, was wir aufgeben und abschneiden müssen.“ Und: „Es braucht das Engagement jedes einzelnen, weshalb jeder auf seine Berufung achten sollte, um ihr zu folgen“.

Die Erfahrungen und Ergebnisse des Tages der Berufung im Dekanat Höxter wurden in einer Eucharistiefeier zusammen getragen. Schwester Gabriele Lüdenbach FCJM, Gemeindereferentin Anne Frank, Dechant Gerhard Pieper. In der Eucharistiefeier wurden die Erfahrungen und Ergebnisse vorgestellt. „Im Dekanat Höxter haben wir viele faszinierende Menschen und attraktive Orte, die vom Geist Gottes beseelt und bewegt sind. Auch in den großen Räumen bin ich nicht allein“, so Dechant Pieper. Es komme darauf an, Neuland zu entdecken und zu wagen, es gemeinsam zu begehen, so Teilnehmer des Gottesdienstes. „Ich darf in Gott geborgen sein, das wirkt und geht weiter“, so eine der weiteren Botschaften und Impulse. Zum Abschluss des Gottesdienstes sagte Dechant Pieper „Ich bin der Beschenkte, beschenkt durch ihr Zeugnis, ihren Glauben, ihre Berufung. Wir sind Teil des Evangeliums durch das, was wir leben, glauben und bezeugen“.

Am Samstagabend waren insbesondere junge Menschen zu einer Nacht der Lichter in der Abteikirche eingeladen. Bereits am Freitag-Abend nahmen rund 200 Menschen an einer Klosterführung und einer Wanderung zum Hungerberg teil. Die Gruppe „Gegenwind“ gab in der Ackerscheune ein Konzert, bei dem die Gruppenmitglieder „ihre Lieder vorstellten und Zeugnis gaben von ihrem Glauben“, so Dechant Pieper. In der Abteikirche wurde der Abend beendet mit einem „Nachklang“ mit der Gregorianikschola. „Es gab für mich tolle Gespräche und Begegnungen. Ich bedanke mich für diesen bereichernden Tag“, so eine Teilnehmerin. „Ein schöner Ort mit vielen Impulsen. Ich fühle mich reich beschenkt“, so ein anderer Teilnehmer. „Ich wünsche uns und mir weitere Möglichkeiten des Auftankens an Tagen wie diesen.“ – Diese Aussage war von vielen zu hören.

Pastoral der Berufung - Zentralkategorie der diözesanen Erneuerung und Weiterentwicklung
Schaubild zur "Pastoral der Berufung" | Arbeitspapier "Zum Christsein berufen"