„Himmlische Gespräche bei irdischen Genüssen“

„Himmlische Gespräche bei irdischen Genüssen“ führten beim „Tag der Berufung“ im Dekanat Lippstadt-Rüthen 150 Teilnehmende in der Infineon-Werkskantine in Warstein-Belecke. Paderborn/Warstein-Belecke, 3. September 2012. In der Bibel ist das Erlebnis des Propheten Elija auf seinem Weg zum Gottesberg Horeb überliefert: Entkräftet und mutlos erfährt er Stärkung durch einen Engel Gottes, der zu ihm sagt: „Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich“ (1Kön 19,3-8). Diese „Einladung“ war das Motto für den „Tag der Berufung“ im Dekanat Lippstadt-Rüthen, bei dem 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem Austausch über Kirche, Glaube und Berufung zusammenkamen – an einem dafür zunächst ungewöhnlich erscheinenden Ort, der aber letztlich hervorragend ins Gesamtbild passte …  

In der Werkskantine der Firma Infineon in Warstein-Belecke stärken sich werktags täglich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens in ihrer Mittagspause. Am 1. September, einem Samstag, war hier ebenfalls der Tisch gedeckt – allerdings für unterschiedliche Menschen aus dem gesamten Dekanat Lippstadt-Rüthen, die zusammengekommen waren, um den vom Erzbistum Paderborn im Zuge des diözesanen Prozesses der „Perspektive 2014“ in allen Dekanaten angeregten „Tag der Berufung“ zu begehen.

„Die Vorgaben für die Durchführung des Tages waren so offen, dass wir sehr viel kreativen Gestaltungsspielraum in der Umsetzung hatten“, so Dekanatsreferent Thomas Mehr. „Es ging uns vor allem darum, die ‚kollektive Intelligenz’ der Teilnehmer für einen belebenden Austausch zu nutzen.“ Den Gästen in Belecke wurde im wahrsten Sinne des Wortes „aufgetischt“: Irdische Genüsse, vom Sauerbraten bis zur Thai-Nudelpfanne. Dazu gab es „himmlische Tisch-Gespräche“ nach der so genannten „World-Café“-Workshop-Methode. Das Prinzip: Drei Fragestellungen mit jeweils einer Runde des gegenseitigen Austausches. Während in der ersten Runde über die eigene kirchliche Sozialisation gesprochen wurde, ging es anschließend um das Erleben von Kirche heute und zum Schluss um die Erwartungen und Wünsche an die Kirche der Zukunft.

Die Teilnehmenden standen in drei Tischgesprächsrunden im lebendigen Austausch über Kirche gestern, heute und in Zukunft und hielten ihre Gedanken für alle sichtbar auf den Tischdecken fest. Die Zusammensetzung der Gesprächspartner an den Tischen blieb dabei nicht fest, vielmehr mischten sich die Teilnehmenden von Runde zu Runde bunt durcheinander zu neuen Gesprächskreisen, nur ein Moderator blieb jeweils sitzen. Eine wichtige Funktion erfüllten dabei vor allem die weißen Papiertischdecken: Auf ihnen zeichnete sich in Brainstorming-Manier für alle sichtbar der bisherige Gesprächsprozess schlaglichtartig ab. Das Anliegen einer „zeitgemäßeren Sprache“ der Kirche war dort etwa ebenso zu lesen wie der Wunsch nach einer Befähigung von Ehrenamtlichen zur spirituellen Begleitung.

Das Essen und der Austausch über Glaube und Kirche erwiesen sich als eine funktionierende Mischung, denn die Gerichte und ihre Attribute von „traditionell“ bis „scharf“ boten einen passenden Einstieg in das Gespräch über Kirche gestern, heute und in Zukunft. „Das gemeinsame Mahl ist ein urchristlicher Aspekt“, erklärte Dechant Thomas Wulf. „Schon allein deshalb bot sich diese Verknüpfung an. Und auch das Ambiente der Werkskantine hat etwas ganz Besonderes. Sie ist im besten Sinne ein pastoraler Ort vor den Kirchentüren.“

Am Schluss der Mahl- und Gesprächsgemeinschaft stand ein Kurzbericht der Tisch-Moderatoren, um allen einen Überblick über die Ergebnisse zu geben. Vielfach kam die Überzeugung zum Ausdruck, dass jeder Getaufte Verantwortung für Kirche trage. Auch der Wunsch, Kirche wieder als Heimat zu erfahren, wurde mehrfach geäußert. In Parallele zum Essen müsse Kirche bunt, würzig und lebendig sein und vermitteln, dass sie „Freude mache“ – und somit ihrem Namen alle Ehre machen: Kirche müsse ein „Froher Botschafter“ sein.

Dechant Thomas Wulf inmitten seines Vorbereitungsteams, das seit Herbst 2011 die Veranstaltung organisiert hat. Dechant Thomas Wulf zeigte sich überzeugt von der Ausstrahlungskraft des „Tages der Berufung“ ins Dekanat hinein: „Dieser Tag stärkt das Dekanat erkennbar. Er macht Mut für weitere dekanatsweite Veranstaltungen. Wir haben hier Beziehungen gestiftet, während der Mahlzeiten, im gegenseitigen Austausch, während der Tischgespräche und in den Pausen. Insofern ist der Tag ganz wie für den Propheten Elija eine Ermutigung und Stärkung im Hinblick auf die neuen Pastoralen Räume.“ Im Rückgriff auf das biblische Wort vom Propheten, der Gott im leisen Säuseln begegnete, schloss Dechant Wulf die Veranstaltung mit dem Wunsch: „Der Tag hat uns gezeigt, dass wir im Austausch auch auf die leisen Töne achten sollen. Alles, was jemand zu seinem Glauben zu sagen hat, muss uns kostbar sein.“ Der Beitrag eines Teilnehmers zur Frage nach der Zukunft der Kirche schien dies zu unterstreichen: „Wir sollten gelassen bleiben. Der ‚liebe Gott’ wird es richten, wenn wir mit unserer Berufung bereit stehen.“  

 

Text und Fotos: Maria Aßhauer

 

Speisekarte der irdischen Genüsse                Schwerpunktmäßig ausgewählt bei Fragerunde…

Gericht 1:
Sauerbraten mit Rotkohl und Klößen
Attribute: festlich, feierlich, familiär

Kirche früher

Gericht 2:
Erbsensuppe mit Einlage
Attribute: einfach, sättigend, preiswert

Kirche früher

Gericht 3:
Currywurst mit Pommes frites
Attribute: schneller Imbiss auf dem Weg oder unterwegs

Kirche heute

Gericht 4:
Chili con Carne
Attribute: bunt, würzig, feurig, variabel

Gericht 5:
Thai-Nudelpfanne
Attribute: exotisch und scharf

Kirche der Zukunft

                      

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