Navigationshilfe für die Zukunft der Seelsorge

Frau Borgelt, Maria Düster, Frau Woermann, Pfarrer Christian Laws, Herr Günther, Frau Juschkewitz, Irmgard Salmen. Wenn es unübersichtlich wird oder einem das Gelände, in dem man sich befindet, plötzlich fremd vorkommt, ist es gut, einen Plan zu haben, an dem man sich orientieren kann. Möglich, dass diese Tatsache in Zeiten von Navigationsgeräten, die stets wissen, wo es lang geht, etwas in Vergessenheit geraten ist. Für manches unübersichtliche Gelände gibt es allerdings keine automatische Navigation. Dies gilt zum Beispiel auch für die „Kirchenlandschaft“, die sich in ganz Deutschland rasant verändert. Da gibt es keine Software, die bei Eingabe des Ziels vorausberechnet, wie lang die Reise dauert, oder warnt, wenn eine falsche Abbiegung genommen wird. Deshalb ist ein Plan nötig, damit man in den größeren Einheiten der Seelsorge, den Pastoralverbünden und neuen pastoralen Räumen, nicht die Orientierung zu verliert.

Auch aus diesem Grund hat Erzbischof Hans-Josef Becker, als er im Oktober 2004 die „Perspektive 2014“ vorstellte, die Pastoralverbünde aufgefordert, ein Pastoralkonzept zu entwickeln. Wie viele andere hat auch der Pastoralverbund Lippstadt-Süd-West dieses Anliegen aufgegriffen – und ist jetzt im Besitz eines „Plans“. Denn genau das ist ein Pastoralkonzept: ein Plan, ein Entwurf oder auch eine Schwerpunktsetzung für die Entwicklung im Pastoralverbund angesichts des Wandels in Kirche und Gesellschaft. Auf Grundlage einer gründlichen Analyse der Gegebenheiten in den Gemeinden vor Ort beschreibt ein Pastoralkonzept, wie die Seelsorge im Pastoralverbund in Zukunft aussehen soll.

Im Pastoralverbund Lippstadt-Süd-West begann der Prozess der Entwicklung dieses Konzeptes im Jahr 2008: Bei einem gemeinsamen Treffen aller Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände wurde beschlossen, im Pastoralverbund mit dem Projekt zu beginnen. Alle Gemeinden erklärten sich dazu bereit, den Weg mitzugehen. „Von Seiten der Hauptamtlichen haben wir zu beschreiben versucht, was in Zukunft auf unsere Gemeinden zukommen wird, zum Beispiel, dass es immer weniger pastorales Personal geben wird“, so Pfarrer Christian Laws, Leiter des Pastoralverbundes. Entscheidend für die Zustimmung zur Konzeptentwicklung sei schließlich die Erkenntnis gewesen, dass sie die Lebendigkeit der Gemeinden auch in Zukunft sichern könne: „Indem das Pastoralkonzept für jede Gemeinde bestimmte Schwerpunkte formuliert, wird garantiert, dass in jedem Ort kirchliches Leben erhalten bleibt“, so Gemeindereferentin Irmgard Salmen.

Im Frühjahr 2009 nahm eine Steuerungsgruppe die Arbeit auf, die aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern aller vier Gemeinden gebildet wurde. Drei Jahre arbeiteten die Frauen und Männer intensiv an dem Pastoralkonzept und berieten alle Schritte seiner Entwicklung. Der Prozess begann mit einer Analyse der kirchlichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit in den vier Orten des Pastoralverbundes, etwa der Gemeindestrukturen, der demografischen Entwicklung oder der personellen Situation. Auf einer öffentlichen Veranstaltung im September 2010 wurden die Ergebnisse der Analyse vorgestellt. „Dabei wurde klar, dass es nicht weiter geht wie bisher, sondern dass sich etwas ändern muss“, so Gemeindereferentin Maria Düster.

Die Gemeindemitglieder erhielten jedoch nicht nur auf öffentlichen Veranstaltungen Informationen zur Konzeptentwicklung. Der Pastoralverbund verschickte auch Flyer an alle  Haushalte, um eine breite Beteiligung und Transparenz sicherzustellen. Trotzdem sei man zunächst auch auf Skepsis und Zurückhaltung gestoßen. „Vielen kam das, was wir da machen, zu theoretisch vor“, so Irmgard Salmen. „Als dann aber sichtbar wurde, dass die Konzeptentwicklung dabei helfen kann, die Eigenständigkeit der Gemeinden zu erhalten, wurde die Angst genommen. Die Gemeindemitglieder haben den Prozess angenommen und verstehen, dass sich etwas ändern muss“.

Nach der eher theoretischen Analyse arbeitete die Steuerungsgruppe mit einem theologisch-geistlichen Schwerpunkt weiter: „Wir haben uns gefragt: Was motiviert uns, bei diesem Prozess mitzumachen und den Weg weiterzugehen?“ Mithilfe einer intensiven Arbeit an Visionen biblischer Auferstehungsgeschichten formulierte man Ziele für das Pastoralkonzept. Diese wurden dann allen Pfarrgemeinderäten, Kirchenvorständen und weiteren Gremien zur Beratung vorgelegt und an einem Werkstatttag 2011 verbindlich beschlossen. Im Februar 2012 wurde das fertige Konzept dann vorgestellt.

Die Haupt- und Ehrenamtlichen der Steuerungsgruppe sind sich einig: „Die eigentliche Arbeit fängt jetzt erst an, wenn es um die Umsetzung der Ziele geht“. Als Handlungsfelder stehen im Pastoralkonzept unter anderen: „Erarbeitung einer gemeinsamen Gottesdienstordnung, die Gottesdienste in verschiedenen Formen in allen Kirchen des PV ermöglicht“; „Gemeindemitglieder werden zur Zeit als Leiter/innen von Wort-Gottes-Feiern ausgebildet und zukünftig regelmäßig in den Gemeinden eingesetzt“, „Jährliches Angebot eines spirituellen Einkehrtages für Aktive in den vier Gemeinden“. Auch die vier Gemeinden machen sich an die Umsetzung und die Weiterentwicklung der im Pastoralkonzept genannten Schwerpunkte: St. Pius wird zum Beispiel die Piuskirche als besonderen sakralen Ort weiter entwickeln und sich um die Ökumene bemühen, St. Clemens hat das Mehrgenerationenfrühstück und die Hellinghäuser Traukirche als Schwerpunkte benannt, St. Martinus das Nachtgebet und den Eine-Welt-Kreis, St. Antonius den Kinderbibeltag, den Bibelgesprächskreis und die Ferienfreizeit.

Als entscheidend für das Gelingen dieses Weges sehen es die Mitglieder der Steuerungsgruppe an, dass möglichst viele Menschen Verantwortung im Pastoralverbund übernehmen und nicht nur in Abhängigkeit von den Hauptamtlichen agieren. Dazu, auch da sind sich die Frauen und Männer einig, ist Wertschätzung der vielfach ehrenamtlich geleisteten Arbeit notwendig: untereinander im Pastoralverbund, aber auch von Seiten des Erzbistums.

Dr. Claudia Nieser

Weitere Informationen: http://www.pv-lippstadt-sued-west.de

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