„Gottes Geist weht nicht nur bei Durchzug“

Viele Wünsche: Beim "Tag der Berufung" im Dekanat Paderborn diskutierten die Teilnehmer offen über ihren Glauben. Paderborn. „Gottes Geist weht, wo er will. Wir müssen ihm nur die Türen aufmachen – und die Fenster auch. Denn er braucht Durchzug“, behauptete Kabarettistin Anja Geuecke. Doch auch wenn die Fenster und Türen aufgrund des Novemberwetters geschlossen waren, so schien Gottes Geist doch spürbar durch den Ferrari-Saal des Schützenhofes zu wehen. Dort hatten sich am Sonntag zum „Tag der Berufung“ des Dekanates Paderborn rund 150 Männer und Frauen versammelt, um über ihren Glauben zu sprechen.

Die Veranstaltung ging auf eine Bitte von Erzbischof Hans-Josef Becker zurück, der sich von allen Dekanaten solch einen „Tag der Berufung“ gewünscht hatte. In offenen und doch persönlichen Gesprächen, so die Absicht, sollten Fragen des Glaubens und einer zukünftigen Pastoral thematisiert werden. „Wir erhoffen uns von dem Tag Impulse, die in die Pastoral-Werkstatt des Erzbistums 2013 eingehen“, erklärte Dekanatsreferent Thomas Wendland von der Steuerungsgruppe. Er betonte aber auch: „Uns ist der persönliche Austausch am wichtigsten! Wir wollen über den Glauben ins Gespräch kommen.“ In so einer großen Runde sei das im Dekanat eine Premiere und etwas ganz neues.

Rainer Fromme (Dekanatsreferent für Jugend und Familie) ergänzte: „In der Kirche passiert viel mehr als nur der Gottesdienst - und das spiegelt sich hier wieder.“ Die Menschen hätten „Hunger auf Gespräche über ihren Glauben“ und seien müde, sich ständig über die Strukturen auszusprechen.

Sichtlich zufrieden mit dem „Tag der Berufung“: Heike Schmitz-Vossebein, Nicola Schulte, Rainer Fromme, Karsten Hentschel, Dechant Benedikt Fischer, Karla Lettmann, Michael Mendelin, Thomas Wendland und Elisabeth Frewer von der Steuerungsgruppe. Seit Jahresbeginn hatte die Steuerungsgruppe, der auch Dechant Benedikt Fischer angehört, den „Tag der Berufung“ vorbereitet. Mit den 150 Teilnehmern, die sich wie erhofft aus Laien und Priestern, Frauen und Männern, Jung und Alt, Vertretern der Gemeinden und Institutionen sowie einfach interessierten Gläubigen zusammensetzten, waren die Organisatoren denn auch sehr zufrieden. Besonders erfreut zeigten sie sich über die hohe Zahl von Ehrenamtlichen und den niedrigen Altersdurchschnitt (ca. 40 Jahre): „Das ist ein großer Erfolg und zeigt, dass die Menschen Interesse haben!“

Sieben Stunden lang tauschten sich die Teilnehmer in 20 Kleingruppen aus. Umrahmt wurden die Gespräche von einem kulturellen Programm mit Auftritten der Kabarettistin Anja Geuecke und der Band chilled peppers. Inspirierende geistliche Impulse und Referate fehlten ebenfalls nicht. Darin machte Dechant Benedikt Fischer klar, worum es ging: „Wir haben die Chance, den Begriff Berufung ganz neu zu füllen." Auf der Grundlage des Neuen Testamentes und des II. Vatikanischen Konzils erläuterte er, dass alle Christen "berufen" seien: „Wir alle hier sind die Berufenen. Auf Sie alle kommt es an."

Gut besucht: Rund 150 Männer und Frauen, darunter Priester, Ordenschristen und viele Laien, waren ihrer „Berufung“ gefolgt. Engagierte und angeregte Diskussionen machten deutlich, wie sehr sich die Teilnehmer für ihre Kirche und ihren Glauben einsetzten. Die abschließende Präsentation zu den vier Themenblöcken „Kraft“, „Christ“, „Kirche“ und „Ich persönlich“ zeigte denn auch, dass die „Berufenen“ vieles schätzten, aber auch so einiges gerne ändern würden. So sollen etwa die Priester von organisatorischen Dingen entlastet werden, um mehr Zeit für die Seelsorge zu haben. Frauen sollen mehr wertgeschätzt werden - „gerne auch bezahlt!“ Weniger starre Regeln und – auch bei den Bischöfen – mehr Mut zum Anderssein wurden ebenfalls gewünscht.

Dass sie so offen und ausgiebig über ihren Glauben sprechen konnten, kam sowohl bei den Haupt- als auch bei den Ehrenamtlichen gut an. „Ich nehme von dieser Veranstaltung neue Impulse und Anregungen in meine eigene Gemeinde mit“, sagte Irmgard Siemen aus Paderborn: „Dieser Tag tut gut!“

Christine Sosna hatte besonders eine Frage beschäftigt: „Wo geht es hin mit der Kirche?“ Die Gemeindereferentin aus dem Pastoralverbund Eggevorland sagte mit einem Blick in die große Runde: „Wir sind Menschen, denen es wichtig ist, dass es den Glauben auch noch im dritten Jahrtausend gibt!“ Deshalb wünschte sie sich, dass es solche Veranstaltungen öfter gebe.

Und weil es wohl vielen anderen ähnlich ging, verkündete Dekanatsreferent Thomas Wendland am Ende vor dem abschließenden Taufgottesdienst: „Wir möchten so einen Tag auf der Ebene von Pastoralverbünden oder Pastoralen Räumen anbieten.“ Interessierte Gemeinden sollten sich melden und würden vom Dekanat unterstützt. Wendland ist sich sicher: „Das kann auch nochmal richtig spannend sein!“

Fotos und Text: Birger Berbüsse

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