Zwischen Konzeptentwicklung und Pastoralem Raum

Die Steuerungsgruppe mit dem im Sommer verabschiedeten Pastoralkonzept (v.l. Barbara Hucht, Franz Hucht, Anni Heiduk, Hubertus Moors, Dagmar Feldmann, Günter Nolte, Nadine Berendes, Udo Reineke, Dechant Gerhard Pieper. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man die derzeitige Umbruchsituation der Kirche deuten kann. Zum Beispiel kann man angesichts geringer werdender Katholikenzahlen, schwindendem pastoralen Personal und wegbrechenden Traditionen von „Gottesferne“ reden. „Warum lässt Gott so etwas zu?“ könnte die Frage lauten. „Gibt es ihn überhaupt? Oder will er uns strafen? Wir haben es doch gut gemeint.“ Auch im Pastoralkonzept des Pastoralverbunds Egge-Börde-Diemeltal werden solche Fragen als mögliche Deutung der gegenwärtigen Situation gestellt. Doch man findet dort auch eine andere Deutung: „Könnte es vielleicht sein, dass Gott, der Schöpfer, gerade am Werk ist? Könnte es sein, dass er Neues mit uns vorhat?“

Liest man das im Sommer 2012 verabschiedete Pastoralkonzept des Pastoralverbunds, drängt sich der Eindruck auf, dass die haupt- und ehrenamtlichen Frauen und Männer der Steuerungsgruppe wohl von der zweiten Deutung ausgegangen sein müssen – Gott hat Neues mit uns vor. „Am Anfang stand zwar die nüchterne Feststellung, dass die Kirche auch in den sieben Gemeinden unseres Verbunds im Umbruch ist und es so nicht einfach weitergeht“, so Dechant Gerhard Pieper, Leiter des Pastoralverbunds. Diese Erkenntnis führte aber zu der Bereitschaft, den Weg der Konzeptentwicklung zu beschreiten. „Der Wandel musste organisiert werden“, formuliert Hubertus Moors aus Scherfede die Aufgabe, die vor dem Pastoralverbund lag.

Diese Aufgabe wurde von den Frauen und Männern der Steuerungsgruppe mit viel Elan angegangen und brachte, wie sich bald herausstellte, viel Arbeit mit sich. „Wir haben in der Gruppe recht lange gebraucht, um unsere Richtung zu bestimmen“, erinnert sich Gemeindereferentin Barbara Hucht. „Nachdem wir uns schließlich für das Motto ‚Kirche, die gut tut’ entschieden hatten, luden wir im November 2010 alle Interessierten ein, sich im Rahmen einer Auftaktveranstaltung Gedanken über das Motto zu machen.“ 250 Menschen seien dieser Einladung gefolgt und hätten viele Ideen zusammengetragen.

Als nächster Schritt wurde ein Fragebogen entwickelt und in den Gemeinden des Pastoralverbunds verschickt. Dessen Auswertung habe sich als äußerst anstrengend erwiesen, so Barbara Hucht: Es sei eine Fülle von Informationen zusammengekommen, deren Sichtung man schließlich nur mit fachlicher Begleitung habe bewältigen können. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse hätten zur Formulierung der wichtigsten Herausforderungen geführt, denen sich der Pastoralverbund in Zukunft stellen müsse. Diese waren: geeignete Formen der Jugendarbeit zu organisieren, den Umgang mit einer bunten, pluralen Gesellschaft zu lernen, das Wechselspiel zwischen dörflichen und gemeinsamen überörtlichen Interessen zu organisieren, Ehrenamtliche zu begleiten und das Ehrenamt attraktiver zu gestalten, das Gottesdienstangebot an unterschiedliche Bedürfnisse anzupassen sowie neue Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen.

Diese Herausforderungen wurden im November 2011 auf einem Klausurtag allen Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäten vorgestellt; gemeinsam wurde nach Visionen gesucht. Die Mitglieder der Steuerungsgruppe sind sich einig, dass diese Visionssuche anhand biblischer Geschichten ein Höhepunkt der gesamten Konzeptentwicklung gewesen sei. Am Ende stand ein gemeinsames Leitbild, das zur Überschrift des Pastoralkonzeptes wurde: „Gott ist mit uns Menschen auf dem Weg. – Wir bieten Weggemeinschaft an und vertrauen darauf, dass Gott sich unterwegs zu erkennen gibt.“ Nachdem in Abstimmung mit den Gremien konkrete Maßnahmen zu den Schwerpunkten Familie, Jugend, Frauen, Männer, Senioren, Ehrenamt, „Das Leben feiern“, Finanzen und Öffentlichkeit formuliert worden waren, verabschiedete der Pastoralverbund schließlich sein Pastoralkonzept im Juni 2012.

Rückblickend stellen die Mitglieder der Steuerungsgruppe fest, dass es zwar aufwändig war, mit so vielen Menschen eine Verständigung zu organisieren. Durch die Arbeit am Konzept sei aber auch ein Netzwerk entstanden, das die Gemeinden im Pastoralverbund verbindet. „Es ist eine Identität Egge-Börde-Diemeltal entstanden“, so Udo Reineke aus Nörde. Und Nadine Berendes, ebenfalls Nörde, stellt fest:„Es hat sich gezeigt, dass man im Rahmen des Pastoralverbundes zu einem bestimmten Thema – zum Beispiel für den Schwerpunkt Familie – mehr Leute zusammenbekommen kann“.

Auch nach der Verabschiedung des Pastoralkonzepts kommt im Pastoralverbund Egge-Börde-Diemeltal so schnell keine Langeweile auf, denn die Planungen für den nächsten Entwicklungsschritt haben schon begonnen. Das 2010 von Erzbischof Hans-Josef Becker verabschiedete Zirkumskriptionsgesetz sieht vor, dass die beiden Pastoralverbünde Egge-Börde-Diemeltal und Warburg-Stadt und Land einen pastoralen Raum bilden sollen – Planungsbeginn 2012. Mussten bei der Arbeit am Pastoralkonzept sieben Gemeinden miteinander ins Gespräch kommen, sind bei den Planungen für den Pastoralen Raum insgesamt 15 Gemeinden mit im Boot.

Die zuvor erfolgte Konzeptentwicklung wird bei den Mitgliedern der Steuerungsgruppe als Vorteil für den nun anstehenden Prozess wahrgenommen: „Man geht mit einem anderen Selbstbewusstsein in die Gespräche mit dem anderen Pastoralverbund“, so Dagmar Feldmann aus Bonenburg. Außerdem sei es hilfreich für den gesamten Prozess, wenn sieben der insgesamt 15 Gemeinden schon als Einheit auftreten könnten.

Dr. Claudia Nieser

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