Nah dran an den Trauernden

Menschen in Notlagen beizustehen, zählt zu den Grundsätzen des Evangeliums“, sagt Pfarrer Peter Scheiwe (links). An diesem Dienst wirkt in Schloß Neuhaus seit vier Jahren Gemeindereferentin Gabriele Merschmann (rechts) mit. Schloß Neuhaus. Etwa 120 Beerdigungen pro Jahr gibt es im heutigen Pastoralverbund Schloß Neuhaus. 200 werden es sein, wenn der Pastoralverbund Sande-Sennelager hinzukommt und beide zum neuen pastoralen Raum Schloß Neuhaus1 werden. „Schon allein deshalb ist der Begräbnisdienst ein Schwerpunkt unserer Pastoral“, stellt Pfarrer Peter Scheiwe fest. Um die Verstorbenen würdig zu begraben und Angehörigen in angemessener Weise beistehen zu können, ist man in Schloß Neuhaus gut aufgestellt: Zusammen mit den beiden Priestern im Pastoralverbund nimmt auch Gemeindereferentin Gabriele Merschmann den Begräbnisdienst wahr. Mittlerweile ist sie im vierten Jahr für diesen Dienst beauftragt. Von Anfang an wurde dies in Schloß Neuhaus sehr gut angenommen.

Seit 2007 werden im Erzbistum Paderborn Laien für den Begräbnisdienst beauftragt (vgl. KA 1/2007, Nr. 7). Erzbischof Hans-Josef Becker erklärte damals, dass es ihm sowohl um Entlastung von Geistlichen als auch um die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für eine würdige Begräbnisfeier gehe. Trauernde wünschten sich „mit Recht, dass sich die Seelsorger Zeit für sie nehmen, die Begräbnisfeier und die Totenmesse gut vorbereiten und würdig und tröstlich mit ihnen feiern“2, schrieb er. "Menschen in Notlagen beizustehen, zählt zu den Grundsätzen des Evangeliums“, sagt auch Pfarrer Scheiwe. Als das Erzbistum die Möglichkeit schuf, Laien zum Begräbnisdienst zu beauftragen, zögerte er daher nicht, dies für den Pastoralverbund Schloß Neuhaus zu beantragen.

Mit Gabriele Merschmann gab es die geeignete Frau vor Ort: Seit vielen Jahren ist sie in der Notfallseelsorge und der Trauerbegleitung aktiv, hat also reichlich Erfahrung in der Begleitung trauernder Menschen. Zudem war sie wie alle Gemeindereferentinnen und -referenten in Schloß Neuhaus schon immer in liturgische Dienste eingebunden gewesen. „Wir haben meine Beauftragung für den Begräbnisdienst damals gut kommuniziert“, erinnert sie sich. „Sie fand im Rahmen eines Gottesdienstes statt, in dem mir das Rituale überreicht wurde. So merkte die ganze Gemeinde, dass es sich um eine offizielle Beauftragung handelt.“ Auch darauf führen Peter Scheiwe und Gabriele Merschmann es zurück, dass es keine Irritationen und kein Gerede von einer „Zweiklassen-Beerdigung“ gab. „Frau Merschmann wird gezielt angefragt, vor allem dann, wenn sie einen Verstorbenen gut gekannt hat“, so Pfarrer Scheiwe. „Die Anfrage beginnt dann meistens mit dem Satz: ‚Herr Pastor, wir haben nichts gegen Sie, aber…’“

Wenn Gabriele Merschmann einen Begräbnisdienst übernimmt, besucht sie zunächst die Angehörigen, bereitet die Beerdigung vor und leitet dann die Begräbnisfeier. Wird eine Totenmesse gewünscht, wird auch diese von ihr vorbereitet. „Die Traueransprache schreibe ich für jedes Begräbnis neu“, sagt sie. „Bisher war es nie möglich, einen Text zu übernehmen“. Bei einer Begräbnisfeier wird sie stets von Ministrantinnen und Ministranten begleitet und trägt liturgische Kleidung. Das schaffe den passenden Rahmen.

Häufig macht sie die Erfahrung, dass bei kirchenfernen Menschen die Scheu geringer ist, wenn sie zu einem Kondolenzbesuch kommt. „Manchmal wird ein kirchliches Begräbnis nur deshalb gefeiert, weil es der Wille des Verstorbenen gewesen ist“, sagt sie. „Dann ist bei den Angehörigen eine gewisse Unsicherheit spürbar. Mir werden dann schon einmal eher Fragen gestellt, und ich kann Dinge erklären.“ Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Begegnung mit einer krebskranken jungen Frau, die ihre Beerdigung mit ihr gemeinsam geplant hat. „Sie war eher kirchenfern und wollte nicht, dass auf ihrer Beerdigung etwas gesagt wird, das sie nicht möchte. Ich bin dann die Texte der kirchlichen Begräbnisfeier Schritt für Schritt mit ihr durchgegangen. Das alles hat auch bei den Angehörigen Eindruck hinterlassen.“

Ein Mal im Monat wird in Schloß Neuhaus ein Requiem für alle Verstorbenen des Pastoralverbunds gefeiert, zu dem die Angehörigen schriftlich eingeladen werden. „Im Rahmen dieser Messe werden alle Verstorbenen noch einmal namentlich genannt. Für jeden wird eine Kerze angezündet“, so Pfarrer Scheiwe. Dieses Angebot werde von vielen angenommen, auch von jenen Angehörigen, die für das Begräbnis ihres Verstorbenen keine Totenmesse wollten.

„Erfahrungen wie diese machen deutlich, was für ein wichtiger Auftrag der Begräbnisdienst ist“, stellt Pfarrer Scheiwe fest. Dass Kirche bei Todesfällen – ähnlich wie bei Hochzeiten oder Taufen – von vielen Menschen als Service-Unternehmen in Anspruch genommen wird, spielt für ihn eine untergeordnete Rolle: „Hier haben wir die Chance nah an den Menschen dran zu sein und positive Erfahrungen mit Kirche zu verstärken“, sagt er. „Damit ist schon viel erreicht.“

Dr. Claudia Nieser


[1] Endgültiger Name des neuen pastoralen Raums steht noch nicht fest.

[2] Erklärung aus Anlass der Veröffentlichung der Ordnung für die Beauftragung von Laien zum Begräbnisdienst im Erzbistum Paderborn, KA 1/2007, Nr. 8