Gemeinsam die Seele auftanken

Der Gang durch die äußere Quelle zum Auftanken der inneren Quelle: Die Erzieherinnen beim Wassertreten an der Elpe bei der Veranstaltung unter dem Motto „Schöpfen aus den Quellen des Heils“ im Juni.Kath. Familienzentrum Bestwig Bestwig/Meschede/Freienohl. „Wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein?“ fragte Abt Bernhard von Clairvaux. Mit diesen Worten des Heiligen aus dem 12. Jahrhundert und dem daraus resultierenden Rat „Gönne dich dir selbst!“ haben die Katholischen Familienzentren Bestwig, Freienohl und Meschede zur ersten Veranstaltung ihrer Einkehrtage für Erzieherinnen eingeladen. Gemeinsam mit einem Angebot für Alleinerziehende haben die drei Familienzentren damit zwei der ersten Kooperations-Projekte im neuen pastoralen Raum Meschede-Bestwig gestartet.  

Wer Kinder erzieht, ob beruflich oder als Elternteil, neigt bisweilen dazu, mehr auf das Wohl der Schutzbefohlenen zu achten als auf sein eigenes. Erziehung, das ist eine Berufung mit Leib und Seele und viel Herzblut. Trotzdem sind die Akkus manchmal leer – geistig, seelisch und körperlich. „Die Anforderungen an Erzieherinnen haben in den letzten Jahren stark zugenommen“, erklärt Annette Geilen, Koordinatorin des Familienzentrums Bestwig. „Wir wollten etwas anbieten, um diesen Stress bewusst zu unterbrechen.“ Die Lösung: Für die Erzieherinnen aus den Kindertageseinrichtungen im ganzen pastoralen Raum Meschede-Bestwig wurde eine Reihe von Einkehrtagen ins Leben gerufen, oder besser gesagt „Oasentagen“: Bedürfen Geist, Seele und Körper der Erholung, können sie an diesen Tagen neue Kraft tanken.

Das Projekt ist im April angelaufen und auf drei Jahre angelegt, damit möglichst viele Erzieherinnen aus den Kindertageseinrichtungen vor Ort die Möglichkeit haben, daran teilzunehmen. Pro Jahr gibt es drei zusammenhängende Einkehrtage, die im Bergkloster Bestwig stattfinden. Die Themen wiederholen sich im Jahresrhythmus. Ganz wichtig: Die Teilnehmerinnen bleiben für die Dauer eines Jahres als Weggemeinschaft zusammen. Daher sind die drei jährlichen Einkehrtage als Gesamtpaket konzipiert – im Frühling unter dem Motto „Gönne dich dir selbst“, im Sommer treffen sich die Erzieherinnen zum „Schöpfen aus den Quellen des Heils“ und im Herbst zum gemeinsamen „Ankommen und Aufbrechen“.

Das Auftanken an der „Oase“ geschieht durch Bibelimpulse, Körperwahrnehmungsübungen, kreatives Gestalten, Naturerleben, Stille und gemeinsam gestaltete Gottesdienste. Im Vordergrund stehen die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte und die Erfahrung von Gemeinschaft im Glauben. „Die Oasentage sollen helfen, den eigenen Glauben als Grundlage, Hilfe und Motivation für die persönliche Lebenswirklichkeit zu entdecken und ihn für die erzieherische Arbeit fruchtbar zu machen“, erläutert Annette Geilen. „So kann der private und der berufliche Alltag bewusster aus den inneren Kraftquellen gestaltet werden.“ Aus der eigenen Glaubensorientierung und -festigung kann auf diese Weise auch eine authentischere Glaubensweitergabe an Kinder und Eltern werden – und somit eine Stärkung der eigenen Taufberufung.

Neben dem Nutzen, den die Erzieherinnen für sich persönlich aus den Einkehrtagen gewinnen, hat das Projekt auch zwei wesentliche langfristige Wirkungen innerhalb des pastoralen Raums: „Zum einen entsteht bei den Erzieherinnen durch die gemeinsame Erfahrung als Weg-Gemeinschaft ein Netzwerk zwischen den verschiedenen Kindertageseinrichtungen. Zum anderen wächst das Bewusstsein um den pastoralen Auftrag von Kindertageseinrichtungen“, fasst Annette Geilen zusammen.  

Noch mehr Innovation: Das Alleinerziehendenprojekt

Auch Regen konnte die gemeinsame Unternehmungslust bei den „Alleinerziehenden auf Tour“ Anfang Juni nicht trüben.Kath. Familienzentrum Bestwig Ein weiteres gemeinsames Projekt der drei Katholischen Familienzentren Bestwig, Meschede und Freienohl richtet sich an diejenigen, die die Aufgabe der Kindererziehung größtenteils allein tragen: In jedem der drei Familienzentren wird ein regelmäßiges Treffen für Alleinerziehende mit Kindern bis zirka zwölf Jahren angeboten. Inhaltlich werden diese Treffen durch auswärtige Referenten oder angestellte pädagogische Kräfte begleitet – Kinderbetreuung durch das Personal der dazugehörigen Kindertageseinrichtungen oder durch Babysitter inklusive.

Dreimal im Jahr steht zudem sonntags eine übergreifende Aktivität für alle Eltern samt Kindern auf dem Programm. Der gemeinsame Tag beginnt jeweils mit einem Familiengottesdienst. Am 3. Juni ging es etwa gemeinsam in den Freizeitpark Biebertal in Lendringsen – auch das schlechte Wetter tat der Unternehmungsfreude der Gruppe keinen Abbruch. „Die Familienzentren betreten mit diesem Projekt Neuland, denn in Bestwig und Freienohl gab es bisher noch keine Angebote für Alleinerziehende“, berichtet Annette Geilen. „Die Analyse des Sozialraumes und auch die Anfragen vieler Interessenten zeigen jedoch, dass hier bisher eine große Lücke existierte, die wir jetzt geschlossen haben.“

Die vielfachen Vorteile dieses Projekts liegen für Annette Geilen klar auf der Hand: „Gerade bei diesem Projekt profitieren wir als Familienzentren durch Synergieeffekte von unserer Kooperation. Auf unsere Rolle als kirchliche Einrichtung bezogen erreichen wir mit den Treffen für Alleinerziehende eine oftmals kirchenferne Zielgruppe, die wir zudem diakonisch gesehen entlasten und unterstützen. Nicht zuletzt können die Alleinerziehenden unser Angebot zum Aufbau eines Selbsthilfe-Netzwerks nutzen.

Diese Aktion wurde vom Erzbistum Paderborn über den Fonds "Innovative Projekte" finanziell gefördert.