Aus drei wird eins

(v.l.) Christine Johannimloh, Gabi Voß und Eugen Hahn arbeiten bereits im Gesamtpfarrgemeinderat zusammen, freuen sich aber darauf, am Kundschaftertag mehr Zeit zu haben, um gemeinsame Visionen zu entwickeln. Paderborn. „Wer sich auf den Weg macht, der wird was erleben … der wird das Leben erleben!“ Mit diesem einleitenden geistlichen Impuls wurde am 10. November der Kundschaftertag der drei Südstadt-Gemeinden St. Meinolf, St. Kilian und St. Elisabeth, die am 1. Januar 2013 zur Gesamtpfarrei St. Julian verschmelzen, eingeleitet.

Auf dem gemeinsamen Weg sind die drei Gemeinden schon länger. Seit 2000 bilden St. Meinolf und St. Kilian einen Pastoralverbund, 2004 ist St. Elisabeth dazugekommen; einen Gesamtpfarrgemeinderat gibt es bereits. „Das, was bis jetzt zusammengewachsen ist, wird nun auch in der Struktur zusammengefügt“, brachte es Gemeindereferent Gunther Landschütz auf den Punkt. Dennoch: Enger zusammenzurücken bringt nicht nur strukturelle Veränderungen mit sich, sondern berührt die Menschen auf einer ganz persönlichen Ebene. Und so war es für viele der rund 30 Teilnehmer des Kundschaftertages ein besonderes Anliegen, gemeinsam Visionen für die künftige Gesamtpfarrei St. Julian zu entwerfen, um dadurch den Kontakt untereinander zu intensivieren. Das Erzbistum Paderborn förderte die Veranstaltung als innovatives Projekt.

Von Schätzen, Sorgen und freudigen Erwartungen

Angeregte Diskussionen unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Unter Moderation von Anne Rabeneck und Ralf Nolte hatten Haupt- und Ehrenamtliche einen ganzen Tag Zeit, um einen Blick zurückzuwerfen und, was viel wichtiger war, den Blick gemeinsam nach vorn zu richten und konkrete Schritte für das Leben der Südstadtpfarrei zu planen. Einig waren sich alle, dass es viele Schätze in den einzelnen Pfarrgemeinden gibt, auf die man auch in Zukunft bauen kann. Zum Beispiel auf die vielen Menschen, die mit Elan das Gemeindeleben mitgestalten.

„Was lassen wir zurück?“ Sehr deutlich äußerten die Gläubigen ihre Befürchtungen vor dem Verlust ihrer spirituellen Heimat. Die Vertrautheit der Pfarrkirche und der eigenen Gemeindemitglieder aufzugeben, erfüllte viele mit Unbehagen. „Sind wir so flexibel, dass wir im neuen großen Raum wieder eine Heimat finden? Was ist mit den älteren Gemeindemitgliedern, die in ihren Gewohnheiten verwurzelt sind? Wie können wir sie mitnehmen auf diese Reise? Wie sieht die Qualität der Seelsorge vor Ort in Zukunft aus?“, fragte Rita Hansjürgens und sprach damit aus, was viele denken. Die Diskussion brachte aber ganz klar auf den Punkt, dass Seelsorge heute nicht mehr nur in den Händen des Pfarrers liegt, sondern ein gemeinsames Anliegen und der gemeinsame Auftrag aller Getauften ist. Seelsorge existiert und funktioniert, wenn jeder, egal ob haupt- oder ehrenamtlich, seine Stärken mit einbringt. Somit war der Kundschaftertag ein wichtiger Schritt, um sich dem eigenen Engagement und der eigenen Berufung ein bisschen mehr bewusst zu werden.

Die Arbeit in immer wieder wechselnden Kleingruppen erwies sich als äußerst fruchtbar. Die Zusammenlegung der drei Gemeinden wird auch zu einer Reduzierung der Gottesdienste führen. Ina Kramer sah das positiv: Ein Weniger an Terminen bedeute mehr Übersichtlichkeit und gleichzeitig eine Konzentration der Besucherströme. Damit würden sich die Gottesdienste wieder zu echten Treffpunkten entwickeln.

Die Größe der künftigen Gesamtpfarrei warf bei vielen die Frage auf, wie die Kommunikationswege funktionieren könnten, damit St. Julian ein transparenter Raum für alle bleibe.

„Think positiv“ – diese Grundstimmung zog sich durch die gesamte Veranstaltung. Die Diskussion zeigte, dass alle von der großen St. Julian-Gemeinde viel Positives erwarten: Man freut sich auf eine größere Vernetzung, inspirierende Ideen und Kontakte sowie auf eine zeitgemäße Kirche, die mit ihren neuen Strukturen Leute von heute anspricht.

Zukunft gestalten – ein fruchtbarer Austausch am Kundschaftertag

Sie begleiteten die Veranstaltung: Die Kerzen aller drei Pfarrgemeinden. Nach dem Blick zurück ging es darum, im gemeinsamen Prozess konkrete Projekte für die zukünftige Gemeinde zu erarbeiten. Und am Ende des Tages konnte eine positive Bilanz gezogen werden. Auf dem Flipchart standen jede Menge Ideen und Ansätze, die Schwung in das Gemeindeleben bringen: Für Jugendliche ohne Verbandsbindung einen Raum schaffen; eine Gesprächsgruppe mit jahreszeitlichen Themenschwerpunkten; ein Besuchsdienst für neu Zugezogene, für Trauerfälle und Geburten; ein offenes Gruppenangebot für Singles; die Einführung von Werktagsmessen in neuen Räumen; ein ehrenamtlicher Dienst für das Pfarramt und vieles mehr. Das Beste daran: Für die meisten Projekte fanden sich bereits konkrete Projekt-Paten - ein Garant dafür, dass es nicht nur bei der Idee bleibt. Für die Kommunikation nach außen und nach innen will sich eine Gruppe einsetzen, die nicht nur die Homepage gestalten möchte, sondern auch speziell die neuen Medien in die PR-Arbeit miteinbeziehen möchte.

Ideen wie diese ließen den Tag positiv ausklingen. Und auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren überzeugt, dass St. Julian künftig ihre spirituelle Heimat werden kann.

„Das Vertrauen ist gewachsen“, sagte Rita Hansjürgens am Ende des Tages. Und Christine Johannimloh freute sich, „dass man nun viele Anregungen in die heimischen Gremien mitnehmen könne, um sie dort weiterzuentwickeln“. Fazit: Das Projekt „2013 – aus drei mach eins“ steht auf einer soliden Basis. Um im Gespräch zu bleiben, soll ein weiterer Feedbacktag im nächsten Jahr zeigen, wie sich die Ideen entwickelt haben.

Text und Fotos: Astrid Wigge