"Das Reich Gottes sichtbar machen"

Das Lichtermeer auf dem Altar sollte das Reich Gottes symbolisieren, das durch die offene Tischgemeinschaft im Kirchenschiff sichtbar werden sollte. Bad Driburg. Tische und Stühle anstelle von Bänken, Teller und Servietten anstelle von Gesangbüchern und rege Unterhaltungen, wo sonst eher Stille herrscht: Die Kirche "Zum verklärten Christus" in Bad Driburg gleicht an diesem Sonntagabend im März eher einem Festsaal. Unter dem Motto "Ma(hl) gemeinsam" hat der Pfarrgemeinderat alle Bad Driburger zu einer offenen Tischgemeinschaft eingeladen.

"Ach, ich hätte schon 20 Gäste schön gefunden, aber so bin ich mehr als zufrieden", freute sich die Gemeindereferentin und Mit-Iniatiorin des Abends, Bilinda Jungblut. Denn der Einladung zur offenen Tischgemeinschaft waren über 140 Besucher gefolgt. Aufgrund des großen Andrangs musste sogar noch ein weiterer Tisch herangeholt werden, und der Abend begann etwas verspätet.

Als der erste Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Andreas Macho, und Bilinda Junglbut schließlich die Gäste begrüßten, blickten sie in ein "bunt-gemischtes Grüppchen". Und genau das war auch die Idee gewesen.

"Das Reich Gottes schließt niemanden aus – und genau das wollten wir erfahrbar machen", erklärt Bilinda Jungblut. Ein gutes halbes Jahr dauerten die Planungen und Vorbereitungen dieser ganz besonderen Aktion, die auch vom Erzbistum Paderborn über den Fonds "Innovative Projekte" finanziell gefördert wurde.

140 Gäste folgten der Einladung in die Kirche "Zum verklärten Christus" – unter ihnen waren Christen und Muslime, Junge und Alte, Kranke und Gesunde. Ganz im Sinne der Einladenden. Die hochengagierten Driburger (neben dem Pfarrgemeinderat waren viele weitere Menschen an Planung und Umsetzung beteiligt) schrieben fleißig Einladungen, verteilten Flyer und hängten Plakate auf. Und rührten unter großem Einsatz die Werbetrommel, indem sie persönlich unter anderem in Senioren-, Behinderten- und Asylantenheimen, der Tafel sowie beim Jugendtreff vorbeischauten und Einladungen aussprachen. Denn "alle Bürger" meint auch wirklich alle: Gesunde, Kranke und Behinderte, Arme und Reiche, Einheimische und Fremde, Alte und Junge, Christen genauso wie Muslime oder jene Menschen, die keiner Religion angehören.

Tatsächlich kamen sie alle in die Kirche. An jenem Sonntagabend sah man an drei langen Tischreihen, die mitten im Kirchenschiff aufgestellt waren, ein "wunderbar gemischtes Bild", so  Andreas Macho. Sie alle bekamen beim Betreten der Kirche ein kleines Teelicht gereicht, dass sie auf den Altar stellten – als Zeichen dafür, "dass wir das Reich Gottes unter uns sichtbar machen", wie es Bilinda Junblut beschrieb.

In ihrer Einstimmung erklärte die Gemeindereferentin dann auch, woher die Idee der Tischgemeinschaft stammt: "Jesus selbst hat das Reich Gottes mit einem Gastmahl verglichen (Lk 14,14-22)", sagte sie. Dieses Bild, so die Absicht der Organisatoren, solle lebendig werden. "Wir wollen uns als geschwisterliche Menschen begegnen. Jesus sagt: Im Reich Gottes sind alle Menschen einmalig, wertvoll und kostbar", hob Jungblut hervor. Im Reich Gottes zähle nur der Mensch: "Nehmen wir einander an, so wie wir sind!"

Das geschah auch: So saß beispielsweise Wolfgang Dirichs, der sich selbst als "kritischen Christen" bezeichnet, gleich neben einigen älteren Frauen und regelmäßigen Kirchgängerinnen und unterhielt sich ausgiebig mit ihnen. Dirichs hatte selbst an der Organisation des Abend mitgewirkt, denn: "Es kommt darauf an, auch Kontakt zu anderen aufzunehmen, die nicht in der Kirche sind!" In diesem Sinne sei der Abend erfolgreich gewesen: "Ich habe mit vielen Menschen gesprochen und andere Sichtweisen kennengelernt", so der gebürtigte Driburger.

Ursula Lingens hatte sich vorher gar nicht vorstellen können, wie ein Gastmahl in der Kirche aussehen sollte. So war sie wirklich überrascht, dass das Essen mitten im Kirchenschiff serviert wurde. "Aber es ist ja wirklich sehr festlich", sagte sie angesichts der mit weißen Tischdecken und Blumen geschmückten Tischreihen. Das Essen selbst (Schnittchen und Orangensaft) wurde immer wieder von geistlichen Impulsen, gemeinsam gesungen Liedern und Darbietungen der offenen Jugendarbeit begleitet. Bilinda Jungblut erläuterte nochmals die Bedeutung davon, dass das Mahl direkt in der Kirche stattfand: "Vielleicht wird uns dadurch, dass wir an diesem heiligen Ort feiern, wieder ein wenig mehr bewusst, dass Gott immer bei uns ist!"

Dem pflichtete auch Pfarrer Hubertus Rath bei, der im Übrigen genauso wie sein evangelischer Kollege und Bürgermeister Burkhard Deppe das Essen an die Tische brachte. Angesichts der neuen und größeren pastoralen Räume, zu denen auch Bad Driburg gehört, betonte er: "Man muss die Menschen immer wieder neu ansprechen. Und dies ist eine gute Idee, Kirche erlebbar zu machen." Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Andreas Macho erinnerte daran, dass in pastoralen Räumen immer mehr Aufgaben für Laien anfielen: "So etwas wie diese Aktion ist ein neuer Weg, um die Menschen anzusprechen." Bilinda Jungblut bedauerte in ihrem Schlusswort, dass in den Planungen für die pastoralen Räume das Reich Gottes kaum vorkomme. Und so entließ sie die Gäste mit dem Wunsch, "dass wir mehr und mehr über Jesu zentrale Botschaft miteinander ins Gespräch kommen, sie buchstabieren lernen, um herauszufinden, was sie für uns heute ganz persönlich, aber auch hier in unserem Pastoralverbund Bad Driburg bedeuten kann".

Text und Fotos: Birger Berbüsse

Pastoralverbund Bad Driburg im Internet

Diese Aktion wurde vom Erzbistum Paderborn über den Fonds "Innovative Projekte" finanziell gefördert.