Auf dem Weg zur "Fairen Gemeinde"

An dem Projekt "Faire Gemeinde" sind beteiligt: (v.l.) Pfarrer Markus Gudermann, Barbara Hoppe (Kindergarten Hl. Kreuz), Birgit Kußmann, Elisabeth Drude (beide IG Eine Welt), Helga Ebers (PGR), Ulrike Appelhoff (Kindergarten St. Pankratius), Theo Sprenger (IG Eine Welt), Annette Vahle (kfd), Hans-Josef Wieners (Kolping). Es fehlten: Anja Werthmann (PGR), Winfried Heine (Ständiger Diakon) und Johannes-Ulrich Blecke (KV). Warstein-Belecke. Themen wie „Fairer Handel“ oder „Verantwortung für die Schöpfung“ sind nicht neu in der Gemeinde St. Pankratius Belecke. Seit über 25 Jahren gibt es dort eine aktive Eine-Welt-Gruppe (IG EINE WELT e. V. Belecke), die 2012 im Rahmen des vom Diözesankomitee im Erzbistum Paderborn verliehenen Schöpfungspreises für ihr langjähriges Engagement einen Sonderpreis erhalten hat. Diese Auszeichnung war für die gesamte Gemeinde St. Pankratius ein Ansporn, das Thema zu vertiefen: Sie beteiligt sich an dem Projekt „Faire Gemeinde“, das Pfarrgemeinden, Verbänden und weiteren Einrichtungen im Erzbistum die Möglichkeit bietet, sich für schöpfungsbewusstes Engagement zertifizieren zu lassen. Initiatoren des Zertifizierungs-Angebots sind das Diözesankomitee in Kooperation mit dem BDKJ-Diözesanverband sowie dem Referat „Weltmission – Entwicklung – Frieden“ im Erzbischöflichen Generalvikariat. Gefördert wird das Angebot aus dem Fonds für „Innovative Projekte“, den das Erzbistum Paderborn bereitgestellt hat.

Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand von St. Pankratius haben dem Zertifizierungsprozess ihrer Gemeinde zugestimmt und eine Steuerungsgruppe unter der Leitung von Pfarrer Markus Gudermann mit der Umsetzung betraut. Drei Mal hat sich die Steuerungsgruppe inzwischen getroffen und den Kriterienkatalog besprochen, der allen zertifizierungswilligen Einrichtungen den Weg zur„Fairen Gemeinde“ weist.

Der Katalog sieht zum Beispiel vor, dass in der jeweiligen Einrichtung fairer Kaffee bzw. fairer Kakao ausgeschenkt werden soll. Dieses Kriterium regte die Belecker zu der Idee an, die Nutzungsordnung für das Pfarrzentrum zu ändern und verpflichtend vorzuschreiben, dass bei jeder Veranstaltung ein fair gehandeltes Produkt angeboten werden soll. Eine Liste mit Bezugsmöglichkeiten von fair gehandelten Waren, die jedem Mietvertrag beigefügt wird, soll es den Nutzern des Pfarrzentrums erleichtern, diese Waren zu beziehen. Die Steuerungsgruppe schlug weiterhin vor, auch für Präsente der Gemeinde fair gehandelte Produkte zu verwenden – selbst gemachte Marmelade zum Beispiel oder Produkte aus der Region.

Anwärter auf das Zertifikat „Faire Gemeinde“ müssen außerdem zwei Verbesserungsvorschläge bezüglich Nachhaltigkeit und Bewahrung der Schöpfung entwickeln und umsetzen. Hier haben die Belecker als Schwerpunkt das Thema „Energie sparen“ in Angriff genommen: Experten sollen ein Gutachten erstellen, wie in den Gebäuden der Pfarrgemeinde Energie eingespart werden kann. „Dieses Gutachten wird möglicherweise Investitionen nach sich ziehen, zum Beispiel für eine neue Heizung“, so Pfarrer Gudermann. „Wir müssen in der Gemeinde dann deutlich machen, dass wir es bei solchen Investitionen um unsere Glaubwürdigkeit geht und dass sie sich nachhaltig rechnen werden.“ Ein weiterer Verbesserungsvorschlag kreist um das Thema „Lebensmittel“: Die Gemeinde will einen Kochkurs „fair kochen“ organisieren, der vor allem Eltern mit Kindern dazu anleiten möchte, in der Region erzeugte Produkte oder Produkte aus fairem Handel zu verwenden. Derzeit prüft die Steuerungsgruppe, mit welchen Kooperationspartnern ein solcher Kurs angeboten werden kann. Die Umsetzung dieser Verbesserungsideen soll bis zum Ende des Jahres erfolgen.

Information der gesamten Gemeinde sowie öffentlichkeitswirksame Aktionen, die das Thema „Schöpfungsverantwortung“ ins allgemeine Bewusstsein heben, zählen ebenfalls zu den Kriterien, die für das Zertifikat „Faire Gemeinde“ erfüllt werden müssen. Auch in diesem Feld ist die Steuerungsgruppe bereits tätig geworden: Für den Herbst ist eine Gemeindeversammlung geplant, auf der über die Pläne der Steuerungsgruppe informiert wird. Am 10. November 2013 findet in Belecke dann ein kultureller Höhepunkt im Rahmen des Projektes statt: Aufgeführt wird das Musical „Martin – mehr als der Mantel“, das von Katholiken aus Menden-Lendringsen geschrieben und inszeniert wurde und dort im November vergangenen Jahres mit großem Erfolg aufgeführt wurde. „Es geht in dem Musical um den Gedanken des Teilens und Solidarität mit den Armen“, so Theo Sprenger, Mitglied der Steuerungsgruppe und Vorsitzender des Eine-Welt-Kreises. „Insofern gibt es eine thematische Verbindung zu unserer Aktion.“

Das Engagement der ehrenamtlichen Musical-Truppe aus Menden-Lendringsen durch die Steuerungsgruppe „Faire Gemeinde“ stellt im Übrigen eine interessante Vernetzung innovativer Ideen dar: Auch das Musical „Martin – Mehr als der Mantel“ wurde aus dem Fonds für „Innovative Projekte“ gefördert.

Weitere Informationen zur Initiave "Faire Gemeinde": www.faire-gemeinde.de