Ehrenamtliche Begleitung auf dem Weg des Glaubens

Monika Herrchen beginnt im Herbst ihre Ausbildung zur geistlichen Begleiterin. Schmallenberg. Dr. Monika Herrchen aus Schmallenberg-Fleckenberg ist seit vielen Jahren als Pfarrgemeinderatsmitglied, Lektorin und Kommunionhelferin ehrenamtlich in Gemeinde und Pastoralverbund engagiert. Im Herbst beginnt die Chemikerin, die am Fraunhofer Institut in Schmallenberg arbeitet, nun eine Ausbildung zur geistlichen Begleiterin/Exerzitien im Alltag, die vom Erzbistum Köln angeboten wird. Wir haben mit ihr über ihre Motivation zu dieser Ausbildung gesprochen.  

Wie ist das Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit als geistliche Begleiterin entstanden?

Grundsätzlich bin ich seit vielen Jahren in der Kirche ehrenamtlich engagiert. Im Pastoralverbund Schmallenberger Land war und bin ich in verschiedenen Gremien tätig, zunächst im Pfarrgemeinderat, jetzt im Gesamt-PGR. Auch an der Entwicklung des Pastoralkonzeptes war ich beteiligt. Bei verschiedenen Fortbildungen, u. a. zu Themen wie Mediation oder personenzentrierte Gesprächsführung, habe ich dann festgestellt, dass ich Freude am Führen von Gesprächen und der Begleitung von Menschen habe. Gleichzeitig nehme ich bei Menschen immer wieder die Sehnsucht nach einem geistlichen Leben wahr, auch wenn das nicht immer explizit geäußert wird. In Zeiten, in denen vieles auseinander bricht, haben viele den Wunsch, sich auf einen geistlichen Weg zu begeben. Eine Exerzitienbegleiterin hat mich schließlich darauf aufmerksam gemacht, dass man sich im Erzbistum Köln zur ehrenamtlichen geistlichen Begleiterin ausbilden lassen kann – so kam eins zum anderen.  

Welche Erfahrungen mit Exerzitien haben Sie bisher gemacht?  

Ich bin selbst schon lange in geistlicher Begleitung und weiß, wie wohltuend das für die eigene geistliche Entwicklung ist. Daneben habe ich immer wieder Exerzitien im Alltag und Einzelexerzitien gemacht, darunter auch mehrtägige Schweigeexerzitien.  

Im Herbst beginnen Sie mit der Ausbildung zur geistlichen Begleiterin. Wie ist der Ablauf der Ausbildung? Und welche Voraussetzungen gibt es?  

Vor Beginn der Ausbildung musste ich einen mehrseitigen Fragebogen ausfüllen, über den zum Beispiel erfragt wurde, welchen geistlichen Hintergrund man mit bringt, in welchen kirchlichen Feldern man engagiert ist oder welche Erfahrungen mit Exerzitien man bereits gemacht hat. Theologische Kenntnisse sind ebenfalls erwünscht. Die Ausbildung besteht dann aus zwei Teilen zu jeweils anderthalb Jahren. Der erste Teil befähigt dazu, Menschen bei „Exerzitien im Alltag“ zu begleiten. Der zweite Teil befähigt dann zu einer längerfristigen Einzelbegleitung. Allgemein bekommt man im Rahmen der Ausbildung verschiedene Methoden und Fertigkeiten vermittelt. Gleichzeitig begibt man sich mit der Gruppe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf einen geistlichen Weg, macht z.B. gemeinsam Exerzitien im Alltag. Fester Bestandteil während der Ausbildung ist eine geistliche Begleitung, mit der man sich ein Mal im Monat trifft. Schließlich geht es auch darum, die erlernten Methoden selbst anzuwenden. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einer Abschlussarbeit. Insgesamt handelt es sich um eine recht zeitintensive Ausbildung. Durchschnittlich bin ich im Monat ein bis zweimal unterwegs, in der kommenden Fastenzeit werde ich an jedem Sonntag in Köln sein.  

Wie wollen Sie als geistliche Begleiterin künftig in den Gemeinden vor Ort tätig sein? Gibt es schon konkrete Pläne?  

Zunächst möchte ich wie bisher Gruppen bei „Exerzitien im Alltag“ begleiten. Darüber hinaus möchte ich auch Einzelbegleitungen anbieten und in den Gemeinden vor Ort bekannt machen, dass es diese Möglichkeit gibt. Ich denke da beispielsweise an Erwachsene, die sich auf den Weg zur Taufe begeben, aber auch an Firmbewerber. Generell glaube ich, dass der große pastorale Raum für Angebote geistlicher Begleitung viele Chancen beinhaltet. Geistliche Begleitung innerhalb einer kleinen Gemeinde schätze ich eher als problematisch ein, weil die Menschen einander kennen und mir dann die Distanz fehlt. Aber im großen Raum können sich über Gemeindegrenzen hinweg Netzwerke von Menschen bilden, die an geistlicher Begleitung interessiert sind.  

Welche „Auswirkungen“ versprechen Sie sich von Ihrer Tätigkeit als geistliche Begleiterin vor Ort auf das Leben der Gemeinde?  

Ich wünsche mir, dass eine geistliche Begleitung dazu beiträgt, den Glauben zu vertiefen und lebendiger werden zu lassen. Vielleicht zeigt sich hier auch etwas davon, was mit „Pastoral der Berufung“ gemeint sein kann: das Bewusstsein dafür zu stärken, dass wir alle gemeinsam auf unserem Glaubensweg unterwegs sind und uns dabei gegenseitig stärken und unterstützen können.  

Das Interview führte Dr. Claudia Nieser

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