Ein Mittelpunkt spirituellen Lebens

Die Kunstinstallation "Himmelsleiter" wird ein Jahr lang die Blicke im Schmallenberger Umland auf sich ziehen. Schmallenberg-Wormbach. Dass Wormbach ab sofort als „Mittelpunkt“ bezeichnet werden muss, war unter den Vertretern aus Kirche, Tourismus und Kommunen unstrittig, die sich am 5. Juli 2012 in dem Schmallenberger Ortsteil versammelten. Anlass zum (nicht ernst gemeinten) Streit bot nur die Frage, ob Wormbach denn nun Mittelpunkt des Sauerlandes, Westfalens oder gleich ganz Deutschlands sei. Grund der Euphorie: In Wormbach wurden an eben diesem Tag die „Spirituellen Tage“ eröffnet, in deren Verlauf bis zum 15. Juli in der ganzen Region Hochsauerland über 60 Veranstaltungen stattfinden. Mit der Kunstinstallation „Himmelsleiter“ an der Kreuzkapelle oberhalb des Ortes beherbergt Wormbach außerdem das künstlerische Wahrzeichen der Veranstaltungsreihe. Anlässlich der Eröffnung der „Spirituellen Tage“ leuchtete sie über den Tälern des Sauerlandes zum ersten Mal. Über ein Jahr lang wird sie nun die Blicke im Umland auf sich ziehen.

Das Dekanat Hochsauerland-Mitte, der evangelische Kirchenkreis Wittgenstein und die Kur und Freizeit GmbH Schmallenberg haben das Programm der „Spirituellen Tage“ gemeinsam auf die Beine gestellt. Das Angebot ist vielfältig: Es gibt spirituelle Wanderungen, Meditationsangebote, Gottesdienste, musikalische Veranstaltungen und Ausstellungen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können Kirchen und Kapellen der Region kennen lernen, aber auch an einer Führung durch eine Moschee teilnehmen oder die Schönheiten der sauerländischen Natur neu entdecken.

Die Kreuzkapelle oberhalb Wormbachs ist seit Januar 2007 von weithin sichtbar. Damals entwurzelte der Orkan Kyrill zahlreiche Bäume. „Wichtig ist uns, dass sich alle Menschen angesprochen fühlen, nicht nur jene, die mit Kirche und Glauben vertraut sind“, sagt Dekanatsreferent Theo Richter. „Die Veranstaltungen der Reihe finden daher nicht nur an ‚klassischen’ Orten wie Kirchen und Kapellen statt, sondern auch auf Berghöhen oder Quellen. Wir wollten ganz bewusst eine Verbindung von neuen und traditionellen Formen und Orten schaffen. Auch die Vertreter anderer Religionen, die in unserer Region zu Hause sind, beteiligen sich.“ Möglich gemacht wurde das vielfältige Angebot auch durch die Beteiligung zahlreicher Sponsoren, zu denen auch das Erzbistum Paderborn zählt: Es förderte die Kunstinstallation „Himmelsleiter“ als „innovatives Projekt“. Auch großes ehrenamtliches Engagement sorgte dafür, dass die „Spirituellen Tage“ in dieser Form entstehen konnten. Zum Beispiel wurde das Innere der Kreuzkapelle von Ehrenamtlichen gründlich renoviert.

Dass die Kreuzkapelle heute ein solch wichtiger Ort für die Wormbacher ist, hat mit einem Ereignis zu tun, an das man im Sauerland nicht gerne zurückdenkt: Als der Orkan Kyrill im Jahr 2007 seine Spur der Verwüstung durch das Mittelgebirge zog, entwurzelte er auch um Wormbach herum zahlreiche Bäume. Die auf einer Kuppe gelegene Kapelle stand plötzlich frei – und wurde zu einem beliebten Ausflugsziel, das nun, so ist anzunehmen, durch die Renovierung und die „Himmelsleiter“ noch bekannter werden wird. Geschaffen wurde das Werk von dem Künstler Erwin Wiegerling, der die „Mittelpunkt-Debatte“ noch einmal zu steigern wusste: „Hier, am Mittelpunkt der Welt, steht jetzt das positive Zeichen der Himmelsleiter“, sagte er augenzwinkernd anlässlich der Eröffnung. Die Himmelsleiter fordert Passanten und Besucher auf, innezuhalten und ihren Gedanken zur Verbindung von Himmel und Erde in ihrem eigenen Leben nachzugehen. Damit symbolisiert die Himmelsleiter das gesamte Angebot der „Spirituellen Tage“, die eine „Einladung zu Momenten der Stille, zu Entschleunigung und spiritueller Erfahrung“ seien, so die Veranstalter.

Die Spirituellen Tage 2012 sind die erste Veranstaltungsreihe des Regionale-Projekts „Wege zum Leben. In Südwestfalen“. Kirchen, Tourismus und Kommunen haben sich mit diesem Projekt gemeinsam das Ziel gesetzt, das spirituelle Potential der Region zu erschließen und weiter zu entwickeln. Dafür werden die zahlreichen spirituell bedeutenden Wege und Orte in Südwestfalen über ein vielseitiges kulturelles Programm (neu) in Szene gesetzt. „Wir hoffen, dass auf diese Weise ein ‚spirituelles Netzwerk’ entsteht, das die zahlreichen geistlichen Angebote bekannter machen wird“, so Dekanatsreferent Richter. Im Jahr 2013 wird mit dem „Spirituellen Sommer“ vom 1. Juni bis 31. August eine noch umfassendere Veranstaltungsreihe folgen.

Stichwort „Regionale

Die „Regionale“ ist ein Förderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen zur strukturellen Entwicklung seiner Regionen. In einem dreijährigen Rhythmus erhält eine Region die Möglichkeit, sich mit wegweisenden Projekten zu präsentieren. Für das Jahr 2013 bekam die Region Südwestfalen den Zuschlag. Zu ihr gehören Hochsauerlandkreis, Märkischer Kreis, Kreis Olpe, Kreis Siegen-Wittgenstein und Kreis Soest. Organisiert wird die Regionale 2013 durch ein großes Netzwerk von Sachverständigen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Institutionen und der heimischen Wirtschaft. Gefördert werden die Regionale-Projekte durch das Land Nordrhein-Westfalen, die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union.

Am 1. September 2008 wurde offiziell die Südwestfalen-Agentur GmbH in Olpe gegründet. Das achtköpfige Team der Agentur initiiert und koordiniert die Projekte rund um die Regionale 2013. Ihnen geht es besonders darum, die Kräfte in Südwestfalen zu bündeln und die Region als starke Marke zu etablieren. Die Anstrengungen und das Engagement für die Region soll mit der Regionale 2013 nicht abgeschlossen sein und auch nach dem Jahr 2013 weiter vorangetrieben und ausgebaut werden.

Dr. Claudia Nieser