Mit Gott unterwegs durch die Natur

Pfarrdechant Ludger Eilebrecht predigte nicht nur vor der Ovenhausener Michaelskappelle vor "vollem Haus" unter freiem Himmel. Die "Sommerkirche" wurde so gut angenommen, dass eine Fortsetzung folgen soll. Kreis Höxter. Natürliche Stille liegt über dem Heiligenberg in Ovenhausen. Vom wolkenlosen Himmel strahlt die Sonne wärmend auf die Wiesen und den Wald herab, aus dem nur das leichte Rauschen der Blätter im Sommerwind zu hören ist. Doch dann heben plötzlich hunderte Stimmen an, ein Lobpreis Gottes zu singen. Auf dem grasbewachsenen, von Bäumen und ein paar Hecken umgebenen Platz vor der Michaelskapelle haben sich Christen aus dem ganzen Kreis Höxter versammelt, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Er ist Teil der "Sommerkirche", die an insgesamt neun Sonntagen in den Sommerferien zu Messfeiern in der Natur einlud.  

Die traditionelle Höxteraner Sonntagabendmesse dort feiern, "wo die Natur am schönsten ist und wo Menschen sich wohlfühlen" – mit diesen Worten luden Pfarrdechant Ludger Eilebrecht und sein Pastoralteam in einem Flyer zu der Freiluft-Aktion ein. Neben dem außergewöhnlichen "Naturerlebnis" und dem Kennenlernen besonderer Orte der Region war es Eilebrechts größtes Anliegen, die Christen des künftigen Pastoralen Raumes einander näher zu bringen.

Denn im Jahr 2013 verschmelzen die drei großen Pastoralverbünde Höxter, Heiligenberg und Dreizehnlinden im Rahmen der "Perspektive 2014" zu einem neuen Pastoralen Raum. Und Pfarrdechant Eilebreicht weiß: "Die Gemeinden gehen bald zusammen, sind sich aber oftmals noch sehr fremd." Viele Menschen hätten die Sorge, dass im großen Raum die Traditionen der kleinen Orte "kaputt" gehen würden. Diese Sorge teilt der Geistliche nicht: "Das Gegenteil ist ja der Fall: Der Reichtum des einen erfreut dann auch die anderen!" Um dies den Gläubigen nahe zu bringen, wollte er sich mit ihnen auf den Weg machen und diese Stätten kennenlernen.

Über zwei Kilometer bergauf ging es für die Prozession zur Michaelskapelle auf dem Heiligenberg bei Ovenhausen. Aus dieser ersten Idee wurde dann ganz schnell ein konkreter Plan. Ludger Eilebrecht beschloss, die sonntäglichen Abendmessen aus der Höxteraner St.-Nikolai-Kirche neun Wochen lang unter freiem Himmel zu feiern. Auch die Orte waren schnell gefunden. Der Pfarrdechant legte bei der Auswahl Wert auf das Naturlerlebnis mit Gottesdienst und die Gemeinschaftserfahrung durch die Beteiligung von Christen aus dem ganzen Kreis. Außerdem sollten die Orte auch im "weltlichen Leben" eine Rolle spielen.

Nach dieser Findungsphase ging es an die eigentliche Organisation, bei der dann das Pastoralteam, die Seelsorger, Liturgiekreise, Musikgruppen und viele mehr tatkräftig mit anpackten. Denn der Plan musste konkretisiert und mit den Gemeinden abgestimmt werden, die Werbetrommel gerührt und gerade für die Älteren Fahrgelegenheiten organisisiert werden. Unterstützung kam dabei auch vom Generalvikariat in Paderborn, das die "Sommerkirche" über den Fonds "Innovative Projekte" finanziell förderte. "Dafür sind wir wirklich sehr dankbar", sagt Eilebrecht, denn neben den Bussen für den Transport musste auch die Fahrt auf dem Weserdampfer bezahlt werden. Dazu wurde auch in den Gemeinden gesammelt.

Von Ende Juni bis Mitte August kamen die Gläubigen dann gemäß des Mottos "Du bist da, wo Menschen leben" im Johannischor in Corvey, auf der Freilichtbühne in Stahle, an der Nethe-Mündung in Godelheim, an der Klosterruine in Höxter/Lüre, auf dem Weserdampfer, in der Weinbergkapelle in Höxter, auf dem Köterberg in Bödexen und zum Abschluss in der St.-Nikolai-Kirche in Höxter mit anschließendem Picknick zusammen.

Begeisterte Teilnehmerinnen: Hildegard Berens und Gertrud Rohde (v.l.) waren fast immer dabei. Dabei stieg die Beteiligung laut Pfarrdechant Ludger Eilebrecht "von ein paar Dutzend" zu Beginn auf mehrere Hundert an. Und so war auch vor der Michaelskapelle auf dem Ovenhausener Heiligenberg kaum noch ein Platz frei, als gegen 18.30 Uhr der Gottesdienst begann. Zuvor war eine Prozession aus dem Ort den Berg hinaufgezogen – allerdings mit deutlich mehr Beteiligung als sonst bei den drei jährlichen Prozessionen. Doch zu Maria Himmelfahrt waren Prozession und Messe auf den Abend verlegt worden und viele Gläubige aus der Umgebung wollten auch bei dem anstrengenden, doch erfüllenden Berganstieg dabei sein.

Hildegard Berens und Gertrud Rohe kamen aufgrund ihres Alters (beide sind um die 80) zwar mit dem Auto den Berg hinauf. Dafür gehören die beiden Höxteranerinnen zu denen, die fast bei allen "Sonntagskirchen" dabei waren. "Ein Gottesdienst in der freien Natur ist einfach etwas anderes", beschreibt es Hildegard Berens. Und ihre Freundin Gertrud Rohde ergänzt: "Das war wirklich eine sehr gelungene Idee, sich so zusammenfinden – das können die gerne jedes Jahr anbieten!" Während die beiden Damen noch Platz auf den bereitgestellten Holzbänken fanden, mussten viele Menschen stehen – doch das taten sie gerne.

Bestens gerüstet: Birgit Niesel-Becker (2.v.r.) und ihre Freundinnen brachten Isomatten und Campingstühle mit zum Freiluftgottesdienst auf dem Heiligenberg. Birgit Niesel-Becker und ihre Begleiterinnen hingegen hatten vorgesorgt: Mit Rucksäcken, Isomatten und Campingstühlen bepackt waren sie bestens ausgerüstet. Die fünf Frauen nahmen in der Woche an einem spirituellen Seminar teil und hatten zufällig von der "Sommerkirche" gehört – und den Programmpunkt sogleich freudig aufgenommen. Birgit Niesel-Becker, die auch sonst kirchlich engagiert ist, war begeistert: "Ich finde das sehr gut, auf diese Weise aus den üblichen Gottesdienst-Abläufen herauszukommen. Durch diese Freiheit kann man zeigen: Glaube macht Spaß und Freude!"

Die Bad Driburgerin will auch in ihrem heimischen Pastoralen Raum für das nächste Jahr eine "Sommerkirche" anregen. Und die soll natürlich auch in Höxter keine einmalige Aktion bleiben, versichert Ludger Eilebrecht. "Die Intention wurde mehr als erfüllt", sagt er angesichts der großen Beteiligung der Bevölkerung und dem gemeindeübergreifenden Zusammenwirken der Haupt- und Ehrenamtlichen. "Nach dieser Erfahrung wäre es dumm, das nicht weiter zu machen", bringt es der engagierte Geistliche auf den Punkt.

Und so wird die "Sommerkirche" wohl zur ersten übergreifenden Tradition des zukünftigen Pastoralen Raumes. "Unsere Region hat ja genug Orte und Stätten, an denen wir Gottesdienst feiern können", so Eilebrecht, der hofft, das im nächsten Jahr dann ein eigener Arbeitskreis die Organisation übernimmt – und so noch mehr dazu beiträgt, dass die Höxteraner Christen zusammen kommen.    

Text und Fotos: Birger Berbüsse

Diese Aktion wurde vom Erzbistum Paderborn über den Fonds "Innovative Projekte" finanziell gefördert.