Inspiration christliche Mediation

Zur Stille finden, zur Ruhe kommen, im Vielerlei zum Wesentlichen - das sind die Anliegen der Schweigemeditation in Holtheim. Lichtenau. Roswitha Tegethoff war auf dem Weg zum Elternsprechtag ins Michaelskloster. Ihr Weg führte sie auch durch den Paderborner Dom. Dort sah sie einen Hinweis „Christliche Meditation“, der ihr Interesse fand – der Anfang für die Schaffung eines neuen pastoralen Ortes war gemacht.  

Was ist christliche Meditation? Diakon Diether Wegener antwortet darauf: „Was wir im Dom anbieten, könnte als kontemplatives Gebet bezeichnet werden, als mystischer Zugang zu Christus, als inneres Gebet, als Herzensgebet, als Weg zum immerwährenden Gebet.“ Gott suchen in der Stille, Gebet mit dem ganzen Körper, Hören mit dem Herzen sind Kennzeichen der christlichen Meditation. Nach einer Einführung, beispielsweise zu einem Bibelwort, bilden Stille, Schweigen und Zur-Ruhe-Kommen das zentrale Element der Meditation.

Aus dieser ersten Begegnung wurde Regelmäßigkeit und Roswitha Tegethoff nahm fast jeden Mittwoch an der Meditation teil. Auf die Frage, was sie angesprochen hat, sagt sie spontan: „Ich hatte ein Gefühl von Geborgenheit. Kirche wurde für mich plötzlich anders erfahrbar.“ Ihrem Mann erzählte sie immer wieder begeistert von ihren Erfahrungen und nahm ihn mit. „Nicht über Gott reden und diskutieren, sondern Gott spüren, war für mich eine ganz neue Erfahrung“, sagt Engelbert Tegethoff nach seinen Eindrücken befragt.

Nach einer längeren Zeit der Teilnahme im Paderborner Dom wuchs bei beiden der Wunsch, auch in ihrer Nähe dieses Angebot machen zu können. Zufällig kam Roswitha Tegethoff mit Dr. Annegret Meyer aus Lichtenau-Holtheim darüber ins Gespräch, die das Angebot im Hohen Dom auch kannte. Sie leitet das Referat Exerzitien und Spiritualität in der Hauptabteilung Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat in Paderborn. Mit Unterstützung von Dr. Annegret Meyer wurde die Idee weiterentwickelt und konkretisiert: So entstand in Lichtenau-Holtheim ein weiterer Ort, an dem Menschen durch die christliche Meditation in Gott ruhen und zu sich kommen können. „Zur Stille finden – zur Ruhe kommen – vom Vielerlei zum Wesentlichen“, so lädt das Werbeplakat des Meditationskreises ein.

Jesus Christus bildet die Mitte der Christlichen Schweigemeditation. Jeden Montag um 18 Uhr treffen sich Christen unterschiedlichen Alters und aus unterschiedlichen Orten im Pfarrheim in Holtheim zur christlichen Meditation. „Die Gruppe versteht sich nicht als geschlossener Kreis, sondern ist offen für Menschen, die auf der Suche nach Gott sind. Christliche Meditation vermittelt keine Entspannungstechniken, sondern es geht darum, das Wirken Gottes in uns und unserem Leben wahrzunehmen“, so Stimmen aus der Gruppe. „Das christliche kontemplative Gebet steht dabei im Mittelpunkt und ist geprägt von der Ausrichtung auf Jesus Christus. Dabei ist die Kontemplation nicht etwas, das man machen oder über das Denken erzielen kann. Sie ist reines Geschenk Gottes. Wir können uns jedoch in einer Atmosphäre der Stille, des aufmerksamen Gewahrseins und unter Anleitung dafür vorbereiten und empfänglich machen“, sagt Diakon Diether Wegener.

Deshalb geben sich die Initiatoren auch viel Mühe bei der Gestaltung des Raumes. Eine Christus-Ikone stellt noch einmal ganz bewusst Jesus Christus in die Mitte der Meditation. Wichtig ist dabei allen, dass dies in Gemeinschaft geschieht und nicht jeder für sich betet. Auch hierin unterscheidet sich Christliche Meditation von vielen anderen Meditationsangeboten. „Wir verstehen uns als Teil der Kirche hier in Lichtenau und wollen durch unser Angebot ganz bewusst das kirchliche und gemeindliche Leben bereichern“, erklären die Initiatoren auf die Frage nach dem Bezug zur Gemeinde. Nach der Sommerpause sind ab dem 20. August 2012 wieder alle Interessierten herzlich eingeladen.

Bei der Gestaltung der neuen pastoralen Räume wird viel gesprochen von pastoralen Orten und Gelegenheiten. Hier ist im neuen Pastoralen Raum Lichtenau ein pastoraler Ort geschaffen worden, an dem die Pastoral der Berufung lebendig wird.    

Stichwort: Christliche Meditation
Diese Form der Meditation ist besonders im anglikanischen Raum verbreitet. Das Beten mit dem Namen „Jesus Christus" ist eine Gebetsweise, die seit langer Zeit im Christentum praktiziert wird. Bereits die Wüstenväter kannten diese Gebetsform. Sie ist sowohl im westeuropäischen durch Johannes Cassian als auch im osteuropäischen Raum über den Berg Athos verbreitet worden. Auch Ignatius von Loyola und Theresa von Avila praktizierten diese Gebetsform. Der Weltkatechismus der Katholischen Kirche gibt ausdrücklich eine Empfehlung zu einer Gebetskatechese und Meditationsgruppen mit dem „Jesusgebet".  

Text und Fotos: Werner Tarrach