Von schnell und intensiv bis lang und vertiefend

Gemeindereferent Ludger Büngener hat an den Kreuzwegstationen in der Kirche St. Katharina in Unna dankbare Zuhörer unter den Kindern der Kommunionvorbereitung. Foto: pdp Ein einziger Weg für alle, das wird bei der Vorbereitung und Feier der Erstkommunion immer schwieriger. Zu unterschiedlich sind die Erwartungen und Voraussetzungen in den Familien. In der Katechese versuchen viele Gemeinden und Pastoralverbünde oft einen Mittelweg, der die einen nicht überfordert und den anderen gerade noch genug bietet. „Mit dieser Situation waren wir mehr und mehr unzufrieden“, erinnert sich Annette Sinn, Katechetin in der Erstkommunionvorbereitung im Pastoralverbund Unna. Der Mittelweg schien kaum einem mehr so richtig gerecht zu werden.

Vor drei Jahren begann man daher im Pastoralverbund Unna damit, die Erstkommunionvorbereitung neu aufzustellen. Statt einem gibt es aktuell fünf Vorbereitungswege und acht Termine für die Feier der Erstkommunion an den Sonntagen der Osterzeit und an Christi Himmelfahrt.

Ludger Büngener, Religionspädagoge und Gemeindereferent im Pastoralverbund Unna, empfängt 20 Kinder mit ihren Eltern im Vorraum der Kirche St. Katharina. Es geht um das Kreuz, den Kreuzweg Jesu. Eines der Kinder tritt in die Mitte und hält ein aus zwei kleinen Stämmen gebasteltes Kreuz. Die zunächst lebhafte Gruppe wird ruhig. Ludger Büngener trägt ein liturgisches Gewand, als er die Kinder und ihre Eltern zum Weggottesdienst begrüßt. Nach dem gemeinsamen Einzug in die Kirche und einem Gebet versammelt sich die Gruppe an der ersten Station der Kreuzwegdarstellungen. Die großformatigen detailgenauen Ölgemälde mit ihren kräftigen Farben erleichtern den Kindern den Zugang zur Passionsgeschichte. Und sie stellen Fragen, die Kinder in ihrem Alter stellen: Wie schwer ist eigentlich das Kreuz? Steht das Kreuz heute noch an der Stelle? Ludger Büngener erklärt, dass das Kreuz sehr schwer gewesen sein muss und Jesus auf seinem Leidensweg dreimal fiel. Er weiß auch, dass es die Bodenhülse des Kreuzes in Jerusalem noch gibt. Und er beschreibt, wie Jesus verhöhnt und verlacht wurde und wie er noch vor seinem Tod für seine Verfolger betete. Die Osterkerze stellt er als 15. Kreuzwegstation vor und beschreibt mit einfachen Worten den Glauben an die Auferstehung sowie die Feier des Osterfestes. Ludger Büngener hat dankbare Zuhörer an diesem Nachmittag.

Es ist die Gruppe „Kommunionvorbereitung XXL“. Dies sind jene Familien, die sich für einen ausführlicheren und tiefer gehenden Vorbereitungsweg gemeldet haben. Dabei ist eine stärkere Beteiligung der Familien vorgesehen, mit Glaubensgesprächen für die Eltern, Weggottesdiensten und dem regelmäßigen Besuch der Hl. Messe. Im vergangenen Jahr regte dieses Angebot die teilnehmenden Familien dazu an, sich auch nach der Erstkommunion weiter zu treffen.

Arbeiten im Leitungsteam der Kommunionvorbereitung im Pastoralverbund Unna mit (v.l.): Isabel Wunder, Stefanie Middelhove, Anke Wirtz, Annette Sinn und Ludger Büngener. Foto: pdp Insgesamt werden 124 Kinder im Pastoralverbund Unna in der Osterzeit zur Erstkommunion gehen. „Wir mussten erfahren, dass sich die Gesellschaft individualisiert und unsere Art der Kommunionvorbereitung nicht mehr für jeden geeignet ist“, erläutert Anke Wirtz das geänderte Konzept der Katechese. Sie gehört, wie auch Stefanie Middelhove, Annette Sinn und Isabel Wunder zum Leitungsteam, das die Kommunionkatechese im Pastoralverbund vorbereitet und weiter entwickelt. Man habe versucht, für die verschiedenen Bedürfnisse der Familien ein passendes religiös katechetisches Angebot zu machen. „Außerdem ging es darum, das Spenden des Sakraments wieder mehr in den Blick zu nehmen und zu verdeutlichen, dass das etwas mit Gemeinde zu tun hat“, ergänzt Ludger Büngener.

Die Eltern mussten sich für einen der fünf Wege entscheiden und unabhängig davon für einen der acht Termine zur Feier der Erstkommunion. „So wollten wir verhindern, dass der Vorbereitungsweg möglicherweise nur mit Blick auf den passenden Termin gewählt wird“, erklärt Ludger Büngener. Die Vorbereitung beschreibt er als „katechumenalen Prozess durch die Fasten- und Osterzeit“. Zeitlich entzerrt sei es eine dreistufige Feier, die aus der Erneuerung des Taufversprechens, dem Empfang der ersten heiligen Kommunion und der Dankmesse bestehe.

„Kommunionsvorbereitung intensiv“ heißt der Weg, der zeitlich und inhaltlich vor allem auf das Wesentliche beschränkt ist. In fünf Workshops werden den Kindern grundlegende Inhalte der Kommunionvorbereitung vermittelt. Dieses Angebot berücksichtigt den oft vollen Terminkalender vieler Familien.

Der „Sonntagsweg“ kommt dem Bedürfnis der Familien entgegen, für die es in der Woche eng ist, die aber bewusst am Wochenende gemeinsame Zeit mit den Kindern verbringen. Die Kommunionvorbereitung findet hier am Sonntagmorgen statt, verbunden mit dem Besuch der Sonntagsmesse.

Bei der Möglichkeit „Bibelwoche und Weggottesdienste“ werden die Eltern bei den Weggottesdiensten mit einbezogen. Die Vorbereitungszeit beginnt mit einer Bibelwoche der Kinder.

Wer sich nicht auf Termine festlegen kann oder möchte, für den gibt es noch die Kommunionvorbereitung „Hl. Messe“. Dabei wird vorausgesetzt, dass mit den Kindern mindestens vierzehnmal an einer Messfeier teilgenommen wird. Außerdem gibt es drei Elternabende zum gegenseitigen Austausch.

Mit 40 Kindern in zwei Gruppen hat der „Intensivkurs“ die meisten Teilnehmer. Ludger Büngener führt dies auch auf die zeitlichen Belastungen im Alltag von Familien zurück. Häufiger gebe es in dieser Gruppe auch eine weniger enge Bindung an die Kirche. Darauf nehme dieser Vorbereitungsweg Rücksicht und verlange nichts, was die Kinder oder die Eltern überfordern würde.

„95 Prozent sind mit der Art der Vorbereitung zufrieden, und es gibt im Vergleich zu früher viel weniger Kritik“, beschreibt Annette Sinn die große Akzeptanz der Wahlmöglichkeiten. Gewöhnungsbedürftiger sei da schon die Verlagerung der Feier der Erstkommunion in die Sonntagsmessen der Gemeinden gewesen. „Eucharistie ist die Feier der Gemeinde“, erklärt Ludger Büngener und lädt in den Pfarrnachrichten die Gemeinde zur Mitfeier der Erstkommuniongottesdienste ein. Während früher nur die Kommunionkinder mit ihren Verwandten im Gottesdienst waren, feiern jetzt jeweils nur 15 bis 20 Familien und ihre Kinder gemeinsam mit der Gemeinde. Unterstrichen wird dieser Bezug zur Gemeinde auch dadurch, dass sich die Kommunionkinder nicht um den Altar versammeln, sondern mit ihren Eltern von der Bank aus zur Kommunion gehen.

Damit diese Gottesdienste nicht überfrachtet sind, wurde die Tauferneuerung ausgegliedert. „Wir feiern die Tauferneuerung mit allen Kommunionkindern und den Eltern in einem eigenen Gottesdienst“, erläutert Ludger Büngener. Das sei immer eine sehr andächtige und berührende Feier. Nach dem letzten Erstkommuniontermin würde die Dankmesse dann ebenfalls mit allen Kindern an einem Sonntag gefeiert. So könnten auch berufstätige Eltern gut daran teilnehmen, was ihnen bei den sonst üblichen Dankmessen am Montagmorgen meist nicht möglich sei.

Ludger Büngener und das Team der Erstkommunionkatechese entwickeln ihr Konzept anhand von schriftlichen Befragungen der Eltern weiter. Die bisherigen Rückmeldungen haben sie darin bestätigt, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Text und Fotos: Michael Bodin