„Den Durst nach Gott freilegen“

Podiumsdiskussion „Wir sind Missionsland geworden“ in Letmathe (v.l.): Dr. Timo Weißenberg, Petra Pientka, Ludger Rickert, Mariele Rupieper, Andreas Watzek und Otto Neubauer. Iserlohn, 6. Mai 2013. Den Glauben wiederentdecken, neu ins Gespräch bringen und sich von der Glaubensfreude anderer anstecken lassen. Darum ging es vom 26. April bis 5. Mai beim Glaubensfestival im Pastoralverbund Letmathe. Über die Fragen, die sich dabei stellen, diskutierten am Freitagabend fünf Podiumsteilnehmer zusammen mit rund 130 Gästen im Saalbau in Letmathe.

„Wir sind Missionsland geworden“, hieß der Titel des von Ludger Rickert moderierten Gesprächs mit Petra Pientka, Unternehmerin, Mariele Rupieper, Schulleiterin der Saatschule in Iserlohn, Domkaplan Dr. Timo Weißenberg, Sekretär des Bischofs von Münster, Andreas Watzek von der Gemeindeberatung im Erzbistum Paderborn sowie Otto Neubauer, Direktor des Evangelisationszentrums der Gemeinschaft Emmanuel in Wien.

„Mission heißt den Durst nach Gott frei zu legen“, erklärte Otto Neubauer. Wie dies gelingen kann, dazu brachten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussion mehrere Beispiele aus ihren Erfahrungsbereichen ein. „In Wien gehen wir in die Kaffeehäuser und Lokale und sind überrascht, wie groß der Durst der Menschen nach Gott ist“, berichtete Neubauer. Jeder Mensch habe auf seine Weise eine Sehnsucht nach Gott und es gebe unter den Suchenden eine große Offenheit. Christen müssten mehr hinausgehen, einladen und den anderen Menschen eine „liebende Aufmerksamkeit“ widmen, meinten die Podiumsteilnehmer übereinstimmend. Jesus habe gesagt „kommt und seht“ und diese Einladung sollte häufiger ausgesprochen werden, so Dr. Timo Weißenberg.

„Glauben hat immer etwas mit Gottsuche zu tun“, erklärte Mariele Rupieper, die auch Oblatin der Benediktinerabtei Kornelimünster ist und ihr Leben nach der Regel des hl. Benedikt ausrichtet. Gerade Kinder wünschten sich ein ehrliches Zeugnis und nicht nur einen Wissen vermittelnden Religionsunterricht, berichtete sie von ihren Erfahrungen im Schulunterricht.

Kleine christliche Gemeinschaften wurden in der Diskussion mehrfach als eine Möglichkeit beschrieben, den Glauben heute in Gemeinschaft zu leben. Andreas Watzek berichtete in diesem Zusammenhang von seinen Erfahrungen in Basisgemeinden auf den Philippinen in den 80er Jahren. „Wir können von kleinen christlichen Gemeinschaften lernen, unsre Gemeinden neu zu entwickeln“, so Watzek. Im Pastoralverbund Letmathe gibt es inzwischen laut Pastor Guido Bartels fünf Hauskreise, die diese Form der Gemeinschaft pflegen.

Von ihrer Arbeit als „Christin in der Wirtschaft“ berichtete Petra Pientka, einzige evangelische Christin in der Runde. Sie nannte mehrere Beispiele für soziales Engagement und eine an christlichen Werten orientierte Unternehmensführung. „Aller Aktionismus ist aber tot, wenn ich mich nicht Gott gegenüber öffne“, betonte sie zugleich die Bedeutung des gelebten Glaubens.

Das Glaubensfestival im Pastoralverbund Letmathe, zu dem neben vielen besonderen Gottesdiensten ein Straßenfestival, ein Jugendprogramm sowie mehrere Vortrags- und Begegnungsabende gehörten, wurde gefördert durch den Fonds „Innovative Projekte“ des Erzbistums Paderborn.